"KANADA´S NORDEN"
Ganz ohne Lachs!





…ein leichtes Rumpeln, 8 Köpfe bewegen sich im Takt und ein „…nice Landing“ ist zu hören, unser
Betreuer für die Woche in Manitoba, Mr. Don Lamond, beglückwünscht die sanfte Landung mitten in
der Wildnis von Nord Kanada.





Minuten später werden wir von einem lustigen, original „School- Bus“ von der Privatlandebahn unserer
2-motorigen Maschine abgeholt und in die Molson- Lake Lodge gebracht.




Bis dahin hat alles perfekt geklappt und Maria Weigold von Travel Manitoba und Air Canada
zusammen haben gute Arbeit geleistet. Niemand kann unsere leichten Augenrändern sehen, haben
wir doch einen Abend zuvor die Gastfreundschaft des „Hilton Suites Hotel“ am Flughafen von
Winnipeg genossen, was für ein herzlicher Empfang
.


Aber nun los, schnell die Sachen einräumen, umziehen und ab in die genialen Lund-Boote. Bereits
im Flieger wurden wir entsprechend vorbereitet, wer möchte was Fischen? Du Hecht? Namaycush, gewaltige Saiblinge? Vor Ort werden diese einfach nur „Lake-Trouts“ genannt, ich kann das kaum
glauben, Himmel, einen Saibling mit einem Durchschnittsgewicht von 6-8 Pfund?


Wenn ich doch bitte nur einen fangen könnte, meinen ersten dicken Saibling, meinen ersten
Namaycush… Leichte Skepsis ist nicht immer verkehrt, oder?



Im Molson Lake wurden bereits Traumfische bis 60 Pfund gefangen, ein Fisch von 30 Pfund ist
jederzeit möglich und 40er werden jedes Jahr gefangen…Gänsehautstimmung beim Schleppen!!!





Unser indianischer Guide Matthew gibt Vollgas und nach nur 30 Minuten Fahrt sind wir an unserem
heutigen Ziel angekommen, eine „kleine“ Bucht, Tiefe: „..around 10 Feet…go ahead, Fish everywhere…“ auf Deutsch? Ca. 3 Meter Tief, Fische überall, gebt Gas!





Ok, also beginne ich mit einem Jerk-Bait der Grösse XXL – 1 Wurf- Nachläufer, 2 Wurf – Treffer!
Hechte ohne Ende! Und ziemlich agressiv, als ich meinen Jerk vor dem Boot auf dessen
Laufqualitäten testen möchte, knallt ein Hecht drauf, schießt mit Volldampf unter das Boot um sich anschließend sofort im Köder zu verdrehen - und das trotz Spinnstange!!!



Egal welchen Köder wir auch testen: Wir bekommen Biss auf Biss – ohne den wirklich kapitalen
Fisch zu landen. Aber die Kampfkraft der Fische und die Konstitution lassen auf mehr hoffen…




Grollen wie Donner ist zu hören…Was ist das? Hunger treibt uns, die Mägen sind leer, wir haben
bereits viel vom legendären Shore - Grilling gehört, frischer Fisch in der Pfanne über dem offenen
Feuer zubereitet? Bitte!







Wir treffen die anderen 3 Boote am Ufer und ich habe schon Bedenken, dass die 3 entnommenen
70 cm Hechte für alle Personen reichen könnten. Aber meine Sorge ist unbegründet: Hecht,
Namaycush und Walleye, der kanadische Verwandte unseres Zanders  füllen die Pfannen in Minuten.

Lecker!





Muss man erlebt haben, muss man gesehen (und gekostet!) haben, noch einen Drink und
Rollentausch. Die Hechtangler gehen auf die Namaycush Boote und umgekehrt.



Ich bin ein Catch & Release – Typ aber hier in der Wildnis ändert sich vieles, es ist ok die Hechte für
den Verzehr zu entnehmen, kein Mensch wird hier einem Trophy Hecht den Garaus machen…

 

Fallen lassen, ohne Angst ein Gewässer durch Raubbau zu zerstören- wo geht denn so was noch?
Weil alles kontrolliert geschieht, können Sie sich sorgenfrei zurücklehnen!






„Frank, dass glaubst Du nicht, dass ist wie Rotaugenstippen, Biss auf Biss! Wie bitte, Rudolf Sack
ist auch hier? Klar, red` weiter…“ denke ich noch, knote eine 30´er Monofile als „Puffer“ vor meine
16´er geflochtene Schnur und schon saust der große Blinker am Downrigger in 30 Meter Tiefe!

5 Minuten später ruckt es in der Rute von meinem Freund Claus: Anhieb, Drill und… Mist, verloren!
Aber so ist es überall auf der Welt, zu einfach wird es einem nie gemacht!


Noch mal das ganze, Köder in den Seitenarm des Downrigger einhängen, Köder ablassen, Rute in
die Hand (ja genau, keine 10 Ruten für die Bisse nötig) und ein bisschen Geduld.


Rucken, zart, was war das, der Biss? Im Zweifel die goldene Regel: Anhieb, der erste treibt auf
große Tiefe den Downrigger nur aus dem Clip – also aufstehen und noch mal – Anhieb mit Kraft!
Hängt…Pumpen, langsam, nasser Sack? Oh nein!



Mit feinem Gerät, einer max. 80 Gramm Rute um die 240 – 270 cm Länge und einer nicht zu harten
Aktion spüren man das charakteristische Kopfschütteln der Fische im Mittelwasser. Gebt  ihm hier
einige Sekunden zum nachdenken und der Fisch wird zu einem wahren Kraftpaket!!

 

Gerade im Herbst kommen die Fische zur Nahrungsaufnahme auch in flaches Wasser und können
dort mit dem Spinner oder mit der Fliege erfolgreich sogar auf Sicht befischt werden!
Ein unvergessliches Erlebnis!


Der Molson Lake ist immerhin bis zu 100 Meter Tief. Henning Stühring, Chefredakteur von
FISCH & FANG setzt seine Erfahrung ein und kann einen Fisch auf Spinner landen. Ein toller Drill
wie er begeistert berichtet! O-Ton Henning, atemlos: „Bleikopfspinner, kurz hinter dem Boot gehalten,
der Biss kam hart und ohne Voranmeldung”

 

Kann das denn so einfach sein? Nein, aber die Location stimmt, denn die Guides sind Profis und
wann hat man das letzte Mal einen Indianer als Guide gehabt? 



Wir fangen in 3 Stunden ca. 15 Fische bis 8 Pfund, vermeintlich größere Fische gehen im Drill
verloren, dass kennen wir doch schon von zu Hause?




Früh morgens verlassen wir nach einer „harten“ Nacht die Molson-Lake Lodge, denken an die
Möglichkeiten an diesem Gewässer, hier mal 1 Woche konzentriert fischen, wir sind uns sicher:
Jeder von uns hätte „seinen“ Master-Angler Fisch gefangen! Ach ja, Master Angler Fische sind
nicht die tollen Angler sondern die Größe der Fische über dem Durchschnitt – also die Kapitalen
– so nennen es die Kanadier!




Stunden später sitzen wir wieder im Boot, auf dem Weg in neue Fischgründe! Diesmal soll der
Walleye (Zander) und der Smallmouth – Bass (ein Schwarzbarsch-Verwandter) unser Objekt der
Begierde sein! Wir fischen den Winnipeg River und eines kann ich Ihnen sagen: Wer hier einen
Fluss erwartet hat zwar Recht- allerdings ist der Fluss ein Natursystem vom Feinsten, dieser
Fluss schlängelt sich durch eine atemberaubende Landschaft und da die Strömung nur an einigen
Engpässen zunimmt, ist es mehr Seenangeln und auch weniger erfahrene Angler werden hier
bestimmt! Ihre Fische fangen!



Die Pine-Island-Lodge taucht wie aus dem Nichts in der Natur auf, mitten im Winnipeg-River schmiegt
sich diese mit allem erdenklichen Luxus ausgestattete Lodge in die Wildnis ein.
Bei einem Drink solltet Ihr mit dem Inhaber der Lodge vor der „Blinkerschnur“ stehen, Ihr werdet
mich verstehen! Hier sind Tradition, Herzlichkeit und Gastfreundschaft nicht nur Wörter sondern
gelebte Praxis!

 

Die Boote, die Guides, das Leihgerät: Hier sind Profis am Werk, wenn man möchte, kann man sein
Gerät getrost zu Hause lassen!






Wir fangen jede Menge Walleye, hier zum Teil auf die für uns seltsam erscheinenden „Gulp“ Köder
von Berkley (…die müssen wir unbedingt mal zu Hause ausprobieren…) dann noch beim Schleppen
und Spinnfischen die herrlichen Smallmouth-Bass, ich gestehe diesem Fisch meine neuen Leiden-
schaft ein, ich kenne keinen Fisch vergleichbarer Größe mit solch einer Kampfkraft! Respekt! Und
ein hübscher ist er, dieser Barsch!







Aber nicht vergessen: Was zu Hause fängt, fängt auch in der Ferne! Claus, unser Fotograf und ein
erfahrener Angler – fischt konsequent das Drachkovich System und erntet am Anfang so manchen spöttischen Blick! Ich höre den Guide im Boot noch lachen: „Hey, you can`t fish that rod, this is a
deep-sea fishing rod!“ Muss ich dass übersetzen…?



Nun ja, Claus hat dann mehr als einen guten Fisch gefangen und so manches Lästermaul blieb
dann verschlossen!

 

Nebenbei gehen immer wieder die so „lästigen“ Hechte an die Gummifische, Spinner oder Wobbler.
Das Leben kann schon ziemlich hart sein, wie Ihr an dem Gesicht von Claus sehen könnt.


Manitoba ist eine für uns Europäer ziemlich unentdeckte Perle. Hechte, Namaycush,  Smallmouth-
Bass und Walleye – alles in Massen! Dazu noch die Natur, die Adler und Schwarzbären, alles ist
intakt und sauber.

 

Dream on with Tight Lines!

Euer Frank Knossalla



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