"BACK FOR GOOD"
Zurück aus Island!


Habt Ihr „Prepare for Glory“ gelesen? Ich hoffe doch, denn ich möchte nicht zu weit ausholen!




Es ist Freitag, 18 April 2008 und ich bin nach 10 Tagen Island zurück von der Tour mit den
"Glorreichen 4".

Die anderen 3 möchte ich gerne nennen, waren Sie doch ein ganz wichtiger Teil für diesen fast
schon Wellness - Trip, auch wenn das Wetter nicht immer ganz mitgespielt hat.





Peter Wilhelm (links), von Freunden auch PeWe genannt. Eine Legende mit unvergleichlichem
Humor, Freundschaft und Teamgeist. Peter ist auch der Inhaber vom Fisherman Travel Club aus der Schweiz, siehe auch unter  www.fishermen-travel-club.ch.

Dann Peter Kütt (rechts) – ein Mann mit mehr Herz und Verstand als für diese Welt üblich und ich
kann nur hoffen Peter auch bei meiner nächsten Tour wieder als Freund begrüßen zu dürfen.

Beides Schweizer und stark mitverantwortlich für den extremen Wohlfühlfaktor.



Wehe einer sagt, die Schweizer können nicht kochen!!! Jeden Tag ein geniales 3-Gänge Menü dass wir
uns die Finger geleckt und die Waage zum knirschen gebracht haben. Nebenbei haben viele gute Gespräche oberhalb der Gürtellinie gezeigt wie ein guter Angeltrip unter Männer auch aussehen kann!






Dann noch Andreas Thürnau , Inhaber der Fa. Pro-Tack. Ein supernetter, fleißiger Mann mit
unglaublich viel Fachwissen (und einem kaum zu stillenden Hunger
). Nie zu schade sich für andere einzusetzen und seine Rigtasche sah aus wie die eines Künstlers.

Schaut Euch einfach mal die bald folgenden Video-Streams zu seinen Rigs an! Andreas ist auch der Umsetzer des „Brilli“ Steinbeißer Systems, hier im Shop auch erhältlich.



Kurz: Mit den Jungs fahre ich sofort wieder los, am besten gleich morgen. Angler und Menschen mit
Geist, eine feine Kombination.





Doch der Reihe nach! Den reisetechnischen Ablauf habe ich unter www.andrees-angelreisen.de
bereits veröffentlicht, um nicht alles doppelt zu machen lest doch einfach mal rein wie so eine Reise
abläuft.

Ich möchte hier etwas mehr ins Detail gehen und einige wichtige Punkte zum Angeln vor Ort nennen.
Aber trotzdem möchte ich Euch ein paar Bilder von der Anreise nicht vorenthalten.













Auch möchte ich mit Euch einen kritischen Blick in Eure und auch in meine Köderbox werfen, lasst
uns auch nochmals die Ruten und Rollenfrage genauer betrachten.

 

War es die richtige Wahl mit der Kleidung? Wir hatten ja am Anfang der Reise richtiges „kein Hund
vor die Tür“ Wetter. Also Nord-Ost Wind der Stärke 3-4, dann 5-6 mit heftigen Schneeschauern und
einer Drift von 1,5 Knoten!




Da ist dann Schluss mit lustig, kein Fischen mehr mit netten 130 oder gar 80 Gramm Pilkern auf
30 Meter
mehr; nichts mit fröhlich die Kanten von 13 bis 30 Meter abklopfen…





Am Anfang lief diese Technik noch ganz gut. Mir ist aufgefallen dass die Dorsche im inneren
Fjordbereich sehr heikel gebissen haben, am besten gingen nach meiner Meinung dunkle Farben,
z.B. der Pro-Tack „Pilks“ in Schwarz-Silber. Hier hielt die Beschichtung auch nach diversen
Grundkontakten, soviel zu guter Qualität und vor allem im direkten Vergleich mit anderen Produkten.


Nur ganz sanfte, fast schon hüpfende Pilkbewegungen haben beim Absinken die Bisse gebracht.
Wichtig war es den Köder immer hart am Grund zu halten. Die klassische, von vielen deutschen Angelkuttern bekannte von „unten links nach oben rechts“ Hau-Ruck-Methode hat keine oder nur
wenige Fische gebracht. Ich habe dies auf anderen Booten gut beobachten können.




Wind bedingt kamen also Pilker mit Gewichten zwischen 200 und 400 Gramm zum Einsatz. Am besten
mit einem großen Einzelhaken bestückt, so kann der Fisch schnell abgehakt und auf Wunsch im
flachen Wasser ohne Probleme zurückgesetzt werden.

Da wir nur Fische für den täglichen Bedarf entnommen haben, kam uns dies sehr entgegen.




Um eines gleich klarzustellen: Wenn ein Fisch im Fleisch gehakt wurde und entsprechend verletzt
war- ab in die Kiste, wir verteilen kein Möwenfutter. Klar kann dies passieren aber absichtlich
sicherlich nicht.




Die Fische im Fjord haben sich anscheinend auf natürlich Nahrung eingestellt, auf Gummifisch hatte
ich keinen einzigen Biss! Ist mir ein Rätsel – ob es evtl. mit den vielen kleinen Krebsen im Fjord zusammenhängt?

Der Wind hat teilweise auch große Mengen Krill in den Fjord gedrückt. Kann dies die Erklärung für
das seltsame Beißverhalten sein? Ich würde mich hier gerne mit Euch austauschen, also her mit den Meinungen und Erfahrungen.


Dann, endlich! Wir konnten raus! Littli-Dalur heißt die Stelle die wir anhand unseres GPS ansteuerten.
Dann noch den richtigen Grund suchen, wir wählten einen harten, abwechslungsreichen Muschelgrund
und siehe da - Treffer!





Wir fischten überwiegend in Tiefen zwischen 40 und 50 Metern und hatten Fisch auf Fisch. Ich habe
es mal ausprobiert, es spielte keine Rolle welcher Köder, dort draußen war auch die Farbe nicht
so wichtig.

Die unglaublichen Dorschmengen stürzen sich auf alles! Wer hier mit 2 Haken am System fischt, hat schon viel Arbeit.





Daher habe ich auch mit einem Steinbeißer-Klopfer mit Einzelhaken gefischt. Ein Haken hat
vollkommen gereicht, die Fische hängen! Ich wollte ja einen großen Dorsch fangen und daher
habe ich das Steinbeißer System erstmal nicht gefischt.

Voll im Dorsch habe ich mal getestet wie weit man gehen muss um die kleinen Fische (bis
10 Pfund)
vom Beißen abzuhalten.



Klingt dekadent? Dann fahrt mal nach Island! Nach dem 100´ten Dorsch um die 5-10 Pfund wünscht
man sich einen „richtig Dicken“ und die Köder werden immer größer. Also dann mal einen
Gummifisch von 18 cm montiert am 200 Gramm
Jenzi Heavy Duty Jig-Head,  runter damit und Rumms!

Drauf!




Nächster Versuch mit einem 130 Gramm Giant  Jighead und einem Jenzi Big Long Twister in Rot der mittleren Größe. Runter damit und richtig: Sofort einen Dorsch der mittleren Größe drauf. Auch der
nächste Versuch mit einem „normalen“ Gummifisch der
22 cm Klasse brachte keine Veränderung,
sofort wieder das alte Spiel.



Na gut, Schluss mit Lustig!

Jetzt sollte es ein
300 Gramm Giant Jighead mit einem 30 cm Jenzi Twister sein und siehe da: Ruhe! Vereinzelte Rucke zeigten das Interesse der Fische am Grund auf den ruhig geführten Riesenköder,
so harrte ich einige Minuten der Dinge während rund um mich die Glorreichen weiter nur runde Ruten hatten. Genau das ist der Grund warum nicht soooo viele Fische auf diese Riesenköder in der Praxis gefangen werden.


Ihr steht an Bord, alle fangen und Ihr nicht? Mal ehrlich, wem juckt es da nicht in den Fingern wieder
den Köder zu wechseln? Mir durchaus, ich bin nicht frei von solchen Gefühlen. Aber dann knallte es
doch in der Rute, ich dachte erst an einen Hänger aber der Fisch nahm Schnur. 2 Minuten freute ich
mich über den Drill, dann habe ich den Fisch verloren.


So ist es nun mal, vielleicht hatte der Fisch (ich glaube es war ein Dorsch) den Köder nicht voll
genommen und war daher nicht sauber gehakt? Ich kann es nicht sagen.



Dann die Steinbeißer-Drift, plötzlich waren die Seewölfe da und das Fieber hat auch mich angesteckt.

Also runter mit dem Pilker, Blei von
300 Gramm drauf - Brilli`s Steini System montiert und
Tintenfischfetzen auf die 6/0´er Einzelhaken gesteckt.



Es knallte an Bord, viele gute Fische konnten wir so überlisten. Immer wieder gingen auch Dorsche
an die verlockenden Fleischhappen. Meist ist dies ein Zeichen für zu hektische Köderführung. Ganz
ruhig am Grund halten, nur ganz leicht hier und da mal etwas heben - so wird das System geführt.

Wir konnten sogar Dubletten mit Dorsch und Steinbeißer landen, was allerdings nicht ganz alltäglich ist.




Stonies fischen ist also auch eine Gefühlssache. Wenn man einmal den Bogen raus hat, dann wird es leichter. Steinbeißer bis ca. 10 Kg mit Längen von über einem Meter konnten wir so landen.

Erste Sahne und bei der zunehmenden Drift war es nicht leicht die Köder am Grund zu halten.

Tipp: Den Steinbeißer-Klopfer einfach mit ca.
50 cm 1,2 er Mono an der Unteren Öse bestücken,
Einzelhaken mit Rassel davor und Tintenfisch als Köder. 2 x Klopfen und dann schleifen lassen, so
fängt er besser!



Abenteuerlich die Fotosession, die von mir gezeigten Wölfe leben noch! Also bitte äußerste Vorsicht
walten lassen. Finger weg von dem Maul! Unter dem Bauch, gleich hinter den Kiemen hat der Beißer
eine weiche Stelle, dort kann man ihn gut halten. Ich habe auch den Boga-Lip-Grip probiert, dieser
hat aber im Respekt einflößenden Gebiss des Fisches nicht gehalten und rutschte immer wieder ab.




Nach einigen guten Fischen konnte ich dann auf einen Steinbeißer Klopfer noch einen guten Dorsch
von 25 Pfund sicher landen, ein schöner Fisch und nicht voll mit Laich. Wir hatten hier und da noch laichschwere Fische, auch einige Milchner haben unsere Floater mit einem netten Muster versehen.

Wie wir ausgesehen haben!

Laichschwere Fische haben wir wie rohe Eier behandelt und immer versucht, diese nicht mehr als
nötig zu verletzen bzw. gar zu entnehmen.



Schellfisch ging noch nicht, diese ziehen erst in den nächsten Wochen in die küstennahen Gebiete
und sind dann gut auf sandigem Boden in Tiefen um
40 Meter zu fangen. Köder sind hier dann
kleinere Gummifische und Pilker, sicherlich auch Naturköder.

Auf die seltsamen Krabben von Gulp (Berkley!) konnten wir auch Fische fangen. Die Dinger riechen
echt nach toter Hose aber sie fangen Fische, das ist es doch.




Mit großen Köderfischen haben wir nicht gefischt, die kleinen Köhler waren noch nicht da bzw. wir
konnten keinen einzigen davon überlisten. Auch die Heilbutt haben wir gnädigerweise in Ruhe gelassen.

Oder sie uns? Wer weiß?

Aber wir haben aufgrund der fehlenden Zeit auch nicht die sandigen Plateaus abgefischt.



Man nimmt sich so viel vor, hat 1000 Köder im Gepäck und 100 Ruten im Koffer, aber alles geht nicht,
dass musste ich wieder einmal erkennen.




Hier möchte ich noch einmal kurz appellieren, auch an mich selbst für meine nächste Tour:  Macht
dem Gerätewahnsinn ein Ende! Wenn ich ehrlich bin und zurück schaue: Ich habe nur 2 Ruten
benutzt. Eine
16 lbs Inliner von Penn mit einer Accurate-Boss und eine 68° North von Penn mit 30-50
lbs
bestückt mit einer Penn Baja Spezial.

Nein, ich bekomme kein Geld von Penn!




Mehr nicht. Beide Ruten haben und werden auch in Zukunft fast alle Bereiche meiner Meeresfischerei abdecken. Wenn es mal ganz heftig kommt: Ich sitze ja im Boot und kann auf den Fisch entsprechend reagieren.




Und die Köder?

Ich hatte viel zu viel Kram mit. Ich würde es heute so machen:
3 Giant Jigheads, 130, 200 und 300 Gramm.
5 Pilker von 100 bis 400 Gramm.
2 Seewolf Klopfer in 300 und 400 Gramm.
Einige Jenzi - Mega Twister in verschiedenen Längen.
Ein paar Gummifische in verschiedenen Längen.
Ein paar schwere Jigköpfe dazu.
Ein bischen Vorfachmaterial und starke Wirbel.
Ein paar Einzelhaken und Rasseln.
Dazu noch 3-4 Steinbeißer Systeme Brilli und fertig ist die Tüte! 

Wer noch Gummi-Makks mitnehmen möchte- gehen immer gut als Einzelhaken und die wiegen ja
nichts für eine Flugreise mit eingeschränktem Gepäck.



So kann man das Gepäck im Zaum halten und wenn wirklich noch etwas benötigt wird: Vor Ort kann
man ja die ganzen Köder zu normalen Preisen im Shop von Andrees-Angelreisen nachkaufen.

Also stresst Euch nicht mit dem ganzen Geschleppe, Ihr braucht es einfach nicht.




Vergesst nicht ein stabiles Rutentransportrohr!! Ich hatte zum ersten Mal ein gekauftes dabei, dass
Crossline Transportrohr von Jenzi. Kann ich wärmstens empfehlen, hat super gehalten und MEINE
Ruten waren jedenfalls alle noch heil…!

Ging nicht allen so…!







Denkt auch an die Kleidung, EIN Schwimmanzug ist völlig ausreichend, Thermofleece Unterwäsche (Evaporator von Geoff-Anderson) hat mir immer den Körper schön warm gehalten und die
3 Ersatzmonturen habe ich nicht gebraucht. Handschuhe sind so früh im Jahr sehr wichtig!

Kein Neopren, die bringen fast gar nichts wenn diese Nass werden. Es gibt hier Mischungen,
Unterseite Wasserdicht und oben mit warmer Wolle - das macht Sinn.






Eines noch: Ein normales Gaff ist an Bord (eine Harpune oder das Butt Gaff von Face Of Fishing nicht!). Lebensmittel können ganz locker im Ort gekauft werden.




So Leute, nun haut mal in die Tasten und gebt mir mal ein Feedback. Habt Ihr andere Erfahrungen
vor Ort gemacht? Lasst uns austauschen, nur so können wir besser werden und unsere Ideen und Erkenntnisse vorteilhaft einsetzen.

 

Keiner ist perfekt, keine hat die Pille der Weisheit erfunden. Ich hoffe dennoch mit meinem Erfahrungsbericht gerade dem Einsteiger in Island mit meinen Berichten helfen zu können.

 

Für alle gemeinsam, ob nun Profi oder Rookie gilt

 

Viel Freue am Wasser und

 

Rute hoch!



Frank Knossalla

Besuch in der Fischfabrik:










Wasserfall, Geysir und Blaue Lagune:




Wikinger Restaurant:












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