Ach Mist!
Das verdächtige Knarren des Baumes über mir lässt mich nicht schlafen. Aufgewühlt wälze ich mich hin und her! Es ist mittlerweile 2.15 Uhr und draußen ist es bitter kalt. Der Winter, welcher eigentlich kein Winter war, lässt mich seine letzten Ausläufer spüren.
Heute haben wir den 17. März. An diesem morgen habe ich mich auf den Weg gemacht um meine erste längere Session in 2008 mit Kumpel Mägges durchzuziehen. Den Winter hindurch wurde getüftelt, überlegt und neue Theorien in Sachen Karpfenangeln aufgestellt! Sollen diese schlaflosen Nächte nun Früchte tragen? Sollte nun der ersehnte Fisch über den Kescher gleiten? Wir werden es sehen!
Vor drei Wochen hatte ich hier schon einmal eine Nacht durchgezogen, wobei mich das Sturmtief „Emma“ ganz schön in die Knie zwang. Oftmals musste ich in der Nacht erneut aus meinem warmen Schlafsack um die Heringe meines Brolly´s wieder neu im vom Regen und geschmolzenem Schnee aufgeweichten Boden zu verankern. Das war so eine Nacht, die mich dann auch am nächsten Morgen wieder aufbrechen lies. Zeitweise habe ich die Streben meines Schirmes mittels Schlagschnur an der Liege befestigt, sodass das voll im Wind stehende Brolly nicht auf nimmer wieder sehen in den Weiten des Auenwaldes verwand.
Wir Karpfenangler sind schon verrückt. Warum müssen wir unser Lager immer auf der Wind zugewandten Seite aufbauen? Schön war es trotzdem auch wenn keine Sprotte etwas von meinen Boilies wissen wollte.

Das Thermometer zeigte mir heute eine Oberflächentemperatur von rund 6,8 Grad an. Noch zu früh um wirklich zuzuschlagen? Sind unsere Freunde noch dem tiefen Winterschlaf verfallen? Das konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen, da eine Woche zuvor zwei Fische mit jeweils 6 Kilo gelandet wurden. Diese Nachricht gab mir Hoffnung und zugleich die Motivation um diese 5 Nächte durchzuziehen.
Den Nachmittag habe ich damit verbracht, den See auszuloten um geeignete Stellen zum Auslegen der Fallen zu finden. Gar nicht so einfach, denn nach 30 Kanten und unzählbaren Plateaus habe ich aufhört zu zählen.
Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Fische ich nun bei den Wassertemperaturen eher in den tieferen Bereichen oder suchen die Fische an Tagen wie diesen eher das Flache. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Fische im tieferen Wasser fressen und nur zum Sonne tanken in die flacheren Regionen kommen.
Ich entschied mich deshalb für den unteren Bereich einer Kante, welche vom Ufer auf 5 Metern abfiel.
Die andere platzierte ich mit einem Pop-Up auf einem Plateau, welches umringt von tieferem Wasser bis auf
2 Meter unter der Wasseroberfläche anstieg. Da tagsüber doch ab und an die Sonne zum Vorschein kam, könnte diese Rute evtl. dem einen oder anderen Fisch bringen.
Lange rede kurzer Sinn. Ich fing einen kleinen Karpfen von geschätzten 3 Kilo, sonst nichts. Mägges war schon erfolgreicher, denn er konnte drei Schleien und eine Forelle in diesen 5 Nächten auf der Habenseite verbuchen. Ja Forelle, auf Popper.
Am letzten Morgen, man vermag es kaum zu glauben, plötzlich ein lautes Geschrei neben meinem Brolly. Dani, Dani Hilfe, der Wind, welcher in dieser Nacht straight aus Ost blies und verbunden mit starken Schneefall, das nagelneue Brolly von Markus in zwei Teile riss. Schnell rüber zu Ihm und die restlichen Utensilien, wie Schlafsack Liege usw. gerettet! Leider ließ dieses Unterfangen keine weiteren Bilder zu,
da wir ganz einfach schnell das Weite suchten!
Einem Monat später wollten wir es noch einmal an einem anderen Vereinsee versuchen. Dieses mal in anderer Besetzung. Daniele 1 und Daniele 2 zogen wie jedes Jahr eine längere Session durch. Daniel kam direkt aus der Schweiz, sodass ich vorab die Lizenzen besorgte!
Am Abend des 18.04 trafen wir uns direkt am See. Ich war schon Mittags angekommen um uns eine geeignete Stelle zu suchen. Dies war ebenfalls meine erste Session an diesem See. Ich ließ mich vom Wind leiten und suchte uns eine Stelle, von welcher wir beide einen möglichst großen Radius abfischen konnten. Eine Art Halbinsel war hierzu wie geschaffen. Der Wind stand uns direkt ins Gesicht!
Meine Fallen waren auch schnell in Stellung gebracht. Ein Plateau welches von 4,4 Metern auf 2,9 Meter anstieg sollte mein Spot sein. Die zweite Rute fischte ich unterhalb der Uferkante auf 4 Metern.
Mein Schweizer welcher um 20 Uhr am Abend eintraf wurde mit Chilli con Carne und gutem deutschen Wein begrüßt! Seine Lizenzen galten erst ab dem darauf folgendem Tag, deshalb ließen wir die Sache gemütlich angehen.
Doch da war er, mein erster Fisch aus dem neuen Vereinssee. Vollrun, ab ins Boot.. Na ja das kann nur ein Kleiner sein, denn von Gegenwehr war hier nichts zu spüren. Als wir dem Fisch entgegen gerudert waren, lag dieser auch schon an der Oberfläche und wartete auf den Kescher. Zack, drin war er. Zurück am Ufer staunte ich aber nicht schlecht über das breite Kreuz, welches im Mondlicht ganz gut zu erkennen war! 17,4 Kilo sollte mein erster Fisch aus diesem See haben. Perfekt!
Die restliche Nacht verlief ruhig. Null Hupp. War aber aufgrund der stressigen Wochen zuvor nicht all zu tragisch. Ausgeschlafen durften wir am nächsten Tag Schleie an Schleie drillen. Lag es an den Pellets, welche wir fütterten?

Am dritten Tag, morgens um halb acht, kam Daniel auf einmal mit seinem Orange-Boot an meinen Platz gerudert einen schönen 122 cm langen und 12 Kilo schweren Waller im Schlepptau. Sein erster Waller. Schönes Tier, perfekt in der Unterlippe gehakt!

Da die Schleienaktivitäten immer mehr zunahmen, beschlossen wir einen Platzwechsel. Im vorderen Seeteil, wurde in der letzten Nacht ein Schuppie von 19,6 Kilo gefangen. Der Wind hatte in der Zwischenzeit gedreht, sodass sicherlich die Fische diesem folgten. Also Zeugs zusammenpacken und ab auf die andere Stelle. Dieses Mal überließ ich Daniel die Platzwahl. Er entschied sich für den letzten Platz vor einem Schongebiet, ich mich für den Platz dazwischen, auf welchem ich ein schönes Plateau von 4 auf 2,9 Metern anfischen konnte.
Nachts konnte Daniel einen kleinen Karpfen von ca. 2,5 Kilo fangen, welcher im Kescher abgehakt wurde. Bei mir tat sich nichts. Erst um 8,30 Uhr bekam ich einen Vollrun auf der Plateaurute. Schnell ab ins Boot und dem Fisch entgegen. Endlose 20 Minuten Drill auf Volllast ließen mich einen Waller vermuten, welche in diesem See zu genüge vorkommen. Blasen stiegen auf, was meine Vermutung noch stärkte. Doch da war sie, die Flanke eines massiven Spieglers unter dem Boot. Die Hände fingen an zu zittern, der Puls erhöhte sich. Aber der Fisch war davon nicht beeindruckt.

Hier die Montage im Detail: 2 Meter Leadcore davor ein Lochblei oder ein Flyying Backlead, Savety-Clip in welchen ich den Quick-Chance Link direkt eingezogen hatte. Über den Link wird noch ein Stück Schrumpfschlauch geschoben und abgeschrumpft. Dieser gewährleistet einen besseren Halt innerhalb des Clips. Normaler Line-Aligner mit meinem neuen Lieblingshakenmodell JRC MTB 2 in der Größe 8.
Da ich wie immer mit sehr kleinen Haken der Größe 8 fischte, lockerte ich die Bremse um ein Ausschlitzen zu verhindern. Weitere 5 Minuten später glitt der wunderschöne Fisch dann über den Kescher. 19,8 Kilo brachte Dieser auf die Waage. Die 20 Kilo Marke wollte er nicht knacken.

Geil, der Platzwechsel hatte sich gelohnt. Aber leider blieb der ersehnte größere Fisch bei meinem Kumpel noch aus. Nun wurde nochmals Gas gegeben, denn die restlichen zwei Nächte, welche uns noch blieben, sollten optimal ausgenutzt werden. Ich fischte weiterhin den einen Spot auf dem Plateau in 2,9 Metern Wassertiefe, meine zweite Rute, die bis dato unproduktiv ( außer Schleien ) war platzierte ich nun direkt auf einer Kante, welche von 2,9 auf 5 Metern abfiel. Immer wenn das Echo 3,60 Meter anzeigte, wurde die Montage in die Tiefe gelassen. Vorher wurde aber noch 30 Meter Schlagschnur montiert, da das vorhandene Kraut ziemlich viele kleine Dreikantmuscheln beherbergte. Daniel fischte ebenfalls eine ziemlich krasse Kante welche ähnliche Tiefenverhältnisse hergab.
In den letzten zwei Nächten wollte ich es einfach nochmals wissen und fütterte zum erstaunen der Anderen einfach mal die dreifache Menge. Alles oder nichts. 5 Kilo Pellets und ca. 1 Kilo ganze und zerkleinerte Boilies landeten auf meinem Platz! Zuviel Futter für eine Wassertemperatur von 11 Grad in 2 Metern Wassertiefe?

Mein Futter bestand zu 80% aus Shrimpmehl- bzw. Bloodwormpellets in den Größen 4, 8, 16 und 22 mm sowie dem verwendeten Boiliemix, welchen ich kurz vorher über die Mischung gab. Ganze sowie halbe Boilies und eine Hand voll Tigernüsse. Die Boilies verwende ich auch gerne in unterschiedlichen Größen. In diesem Fall waren es 10er, 18er, 22er und ein paar handgedrehte Big-Balls. Das gibt dem Fisch weniger Chancen, sich an eine Größe bzw. Futterart zu gewöhnen. Somit ist gewährleistet, dass er sich nicht nur, z.B. die großen Boilies aussucht! Als Hakenköder verwendete ich einen 18mm Boilie garniert mit einem halben Pop-Up oder eben einer fluoreszierenden Plastikkugel. Diese geben dem Köder weniger Eigenge-gewicht, können vom Fisch somit besser angesaugt werden und bieten zusätzlich einen visuellen Reiz!

Es wurde dunkel, und der erste Fischkontakt ließ nicht lange auf sich warten. Um 22 Uhr bekam ich einen Vollrun auf die Kantenrute. Rute aufgenommen, zack, Schnur ab. Wie, wo, was war nun passiert? Die lose Schnur eingekurbelt um festzustellen, dass die Schlagschnur durchtrennt wurde. Na ja die Muscheln haben es in sich.
Kann passieren.
Was nun?
Subfloats monieren?
Nein ich entschied mich, die Rute oberhalb der Kante abzulegen.
Leider hatte ich in dieser Nacht keine Aktion mehr, außer ein Aal welcher meine Boiliemontage samt fluoreszierender Kugel zum anbeißen fand. Ich staunte nicht schlecht, als ich nach einem Fallbiss plötzlich einen 3 Pfünder Aal kescherte.
Daniel fing diese nach wieder einen kleinen Satzer, welchen er ebenfalls im Kescher wieder abhakte.
Am nächsten Abend fing ich ebenfalls einen kleinen Satzer. Wunderschön gezeichnete Tiere waren das. An diesem Tag war es sonnig, sodass zum Glück unsere Sachen wieder komplett abtrockneten.
Da wir am nächsten Morgen wieder Richtung Heimat fahren wollten, packte ich meine Abhakmatte und meine Wiegeschlinge vorsichtshalber schon mal ins Zelt. Es gibt nichts Ekligeres als eine nasse Abhakmatte im Auto!
Na ja am nächsten Morgen sollte ich sie dann aber trotzdem nochmals benutzen müssen, denn ein 15,5 Kilo schwerer Schuppie wollte frische Luft schnappen.

Das zusammenpacken unserer Utensilien gestaltete sich bei strahlendem Sonnenschein als äußerst entspannt.
Insgesamt fingen wir dutzende Schleien, einen Wels, einen Aal, ein paar Rotaugen sowie ein paar wunderschöne Karpfen mit einem Durchschnittsgewicht von knappen 17,6 Kilo.
Im Sommer, wenn die Fische besser beißen, werden wir die Session sicherlich wiederholen.
Liebe Grüße..
Daniel Hermann
