"FLY ONLY?"
Stippvisite in Alaska

Nein, keine Fotos von riesigen Königslachsen oder leckerem Filet an der Zugwaage sind mein Ziel!

Vielmehr sollte es zum letztmöglichen Termin Mitte August nach Alaska in
die King Point Lodge gehen.

 

Warum so spät? Nun, zum einen konnte ich ganz einfach nicht anders. Dann wollte ich den Massen
aus dem Weg gehen und mich einfach nur entspannen. Der spinnt doch, fährt nach Alaska zum
entspannen kann ich Euch flüstern hören.

Aber dennoch - ein Fisch interessiert mich sehr, der Coho oder Silberlachs.

 

Dieser zieht im August in großen Mengen über den gewaltigen Jetna River in die Nebenflüsse,
auch in den Lake Creek. Jedenfalls sollte er dies tun, aber später mehr.

       

 

Die Anreise ist recht einfach, ein Direktflug von Frankfurt nach Anchorage, dann mit dem
Wasserflugzeug weiter in die Wildnis.

         

Echt cool, ich war in dem kleinen „Wassertaxi“ der einzige Gast und saß wie ein Pilot vorne.
Eine schöne Erfahrung und natürlich eine super Aussicht!

         

         

 

Stilgemäß wurde ich mit dem Boot vom Wasserflieger abgeholt, der Guide Cot hatte gleich seinen
Alaska-Husky dabei und so passten die ersten Eindrücke.

         

        

         


Der Jetlag machte mir zu schaffen aber ich klammerte mich in der Lodge im gemütlichen Gemeinschaftsraum eisern an mein Glas Wein und konnte so nicht vom Stuhl fallen. So gesichert
schaffte ich es bis Mitternacht (Alaska Zeit!), auf allen Vieren bin ich dann in meine komfortable
Unterkunft gekrabbelt und habe geschlafen wie ein Bär.

 

Aber was mussten meine gespannten Ohren dann hören? Die Cohos sind schon durch!

Ja, sind wohl schon Tage zuvor mit dem letzten Zug unbemerkt an mir vorbei. Irgendwie hängt die Lachspest an mir.

Erst die Gruppenreise im Juni an den River Moy in Irland, ich habe ohne Lachs die Heimreise
angetreten, und dann fahre ich nur mit Fly Fishing Tackle nach Alaska und die Cohos sind
schon durch???

         

         

 

Jetzt reicht es mir aber! Es geht ja was, aber wohl nur auf Grundmontage mit Lachseiern, also
Aalangeln auf Lachs ...oh Mann, das ist nun nicht das was ich wollte. Habe ich doch vorher noch
den Tackle -Shop in Anchorage um etliche Dollar bereichert und mir absolut nutzlose Fliegenmuster andrehen lassen!

 

Und hier mal ein Tipp: Wenn Ihr in einen Angelladen geht, wohin auch immer auf der Welt (OK,
den lokalen Tackle Dealer nehme ich da raus!) dann sagt NIE wohin Ihr fahrt. Denn sonst ist der
Verkäufer natürlich in der Region geboren, kennt die besten Fliegenmuster und verkauft Euch
einen Haufen sinnloses Zeug!

         

         

 

3 neue Rollen, neue Fliegenrute, neue Schnüre, Vorfächer, Kleinkram, Caps und sonstige „sehr
wichtige“ Utensilien lagen nun – teils völlig nutzlos - in meinem Zimmer und ich sollte mir die
alaskanische Aalrute schnappen? Mahlzeit Mädels! Also was tun, sprach Zeus? Man(n) muss alles
gesehen und auch ausprobiert haben, wie sonst soll man sich eine Meinung bilden?

         

 

Gesagt, getan. Morgens um 05:50! Also mit Kopflampe den Bärenpfad runter zum Wasser, zusammen
mit meinem temporären Angelpartner Jean-Marie aus der Schweiz. Ein echt netter Mensch - ich bin
froh, dass er mein Partner ist. Er zeigt mir wie es geht denn ich bekomme keinen einzigen Lachs an
den Haken!

         

         

         

 

Jean-Marie fängt seine Fische, jeden Tag. Ich bin der Keschermann und freue mich für Ihn.

                  

So ist es manchmal. Wir fischen direkt nebeneinander, die Rigs sind gleich und wenn ich heute zurückblicke, denke ich wirklich, dass es einfach nur Pech war. Aber gibt es Pech in Alaska?

Nicht für mich. Schöne, wilde Regenbogenforellen versüßen mir fast jeden Ansitz und ich kann
nicht sagen, dass ich es nicht genossen habe. Eine Forelle hatte sage und schreibe 6 (!!!) Mäuse
im Magen!

         

 

Der Fisch war 47 cm lang und hatte meinen Köder voll genommen! Wahnsinn, aber es ist kein
Geheimnis das die Forellen in Alaska auf Mäuse stehen. Wer tut das nicht…? Und was noch Spaß
macht: Auf die Forellen mit Lachsei – Imitaten fischen! Nur eine kleine pinkfarbige Plastikkugel,
12´er Haken und trocken fischen – jeder Wurf ein Treffer in der Drift des Bootes!

         

Da wollte ich Jean-Marie mal zeigen wie man mit der Fliege wirft, ziehe 3 x durch und lege das
Lachsei an die Strömungskante…Fish On! Eine schöne Forelle zieht die 6´er Leihrute von Hans
zum Erdboden.

 

Mäuse hin oder her – mal gucken was die Hechte sagen. Also hat uns der Lodgeinhaber Hans-Heiri
Haab auf eine außergewöhnliche Tour an die „Fish-Lakes“ mitgenommen, ein Verbund von Seen
die aus einem Nebenfluss des Jentna Rivers abzweigen.

         

         

Ich hoffe ich habe dies richtig wiedergegeben, sonst werde ich noch von Hans-Heiri geköpft! Soll
ich die Wahrheit sagen? An einigen Stellen des Fluss- und Seensystems ist es erforderlich das Boot
beim Aufstieg gegen die Strömung zu schieben…!

 

Kein Thema für mich, oder? Ich bin fast dabei gestorben und wäre zu Bärenaas geworden wenn
Hans–Heiri mich nicht mit einer 10 Sekunden Atempause gerettet hätte! Hätte nie gedacht wie sehr
mich diese Tour fordern würde. Hans ist einige Jahre älter und nicht mal ein Schweißtropfen war
auf seiner Stirn zu sehen! Respekt!

         

 

Eine herrliche Bootsfahrt, voller Fische und Natur. Für mich war dies eine der schönsten Touren
in Alaska! Viele Tiere konnten wir sehen, seltene Entenarten, seltene Menschenarten tauchten vor
uns im Buschauf…und: Die Bärenlosung am Ufer zeigte uns immer den richtigen Weg an.

         

         

Wir haben unzählige Hechte bis ca. 5 Pfund fangen können, keine Riesen aber die Art und Weise
wie die Fische den Kunstköder auf Sicht genommen haben, war schon faszinierend.

         

 

Ein Beispiel: Ein Hecht griff meinen Spinner 3x an, hing auch 3x am Haken und konnte sich jedes Mal
befreien. Der Fisch folgte dennoch bis unter das Boot und nahm dort den Spinner vom Boden auf!

So etwas habe ich noch NIE gesehen, unglaublich!

         

         

Ich führe dies auf einen Fressrausch durch die laichenden Lachse zurück, die Nahrung in den Seen
ist in der lachsfreien Zeit sehr eingeschränkt, Weißfische o.ä. gibt es nicht. Und: Die Drillinge der
Blinker waren mit Lachsfleisch bestückt! Ein Lächeln von euch? Probiert es mal aus, es ist eine Bereicherung für jeden Spinnfischer!

 

Kann ich eigentlich einen Ruf verlieren? Na jedenfalls möchte ich nicht zu den Besuchern der
King–Point -Lodge gehören, die keinen Lachs fangen konnten. Also habe ich mir irgendwann nach
dem Abendessen mein Fliegenrute geschnappt und bin alleine mit dem Boot auf die gegenüber
liegende Uferseite gefahren.

         

         

Dort standen diverse Hunds- und auch einige Buckellachse sowie Silberlachsnachzügler und ruhten
sich in einer Kehrströmung für den weiteren Aufstieg aus.

         

 

Eine Einhandrute 8/9, Schwimmschnur mit Leadcore Vorfach und zusätzlich Bleischrot (ich hasse
das, aber es war nötig!) mussten her.

         

Ich konnte viele Fische haken aber, leider kann es bei diesem „Tunken“ mit der Fliege auch zu ungewolltem Kontakt mit dem Körper der Fische kommen.

         

         

Ich möchte dies nicht und würde einen so gefangen Fisch auch nie dem Gewässer entnehmen.

             

 

Ich habe also am Ende doch noch meinen Lachs gefangen und bin sozusagen „aus dem Schneider“
aber ich weiß nun wie es gehen kann.

         

                

 

Ergo: Herrliche Natur, prächtige Fische und noch viel zu erleben und zu entdecken! Alaska und die
King Point Lodge mit wirklich erster Klasse Service durch Hans-Heiri-Haab sind eine Reise wert!

         

         

 

Und noch eines: Ein Besuch in Anchorage ist eine feine Sache. Anchorage selbst ist nach meiner
Meinung am Tag recht langweilig. Jedoch - speziell in der „Bush-Company“ sollte ein Besuch in
der Nacht oder am frühen Abend Pflicht sein! Warum und wieso? Einfach mal „Googeln“

 

Rute hoch!

 

Euer

 

Frank Knossalla

 

Dank: An Hans – Heiri Haab von der King-Point Lodge für die Gastfreundschaft vor Ort.
Danke auch an die Firma Busse & Pelikan, diese kleine in Hamburg sitzende Firma stellt
wirklich hervorragende Fliegenrollen her und hat mir einige Rollen zum Testen mitgegeben,
die Preis-Leistung ist einfach unglaublich!

Schaut mal unter:
www.bussepelikan.de

        



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