"COOL PIKES?"
von Claus Mittmann




Gelangweilt sitze ich auf dem Sofa und schaue in die Glotze. Das Programm lässt wie immer zu
wünschen übrig. Nebenher bastele ich schon mal ein paar Drachkowitch-Systeme auf Vorrat für die kommende Saison. Der Tisch liegt voller Materialen und weckt Sehnsüchte nach dem noch weit
entfernten Frühjahr. Möchte ich doch als frisch gebackener Teamangler von Sportex meine
Fertigkeiten unter Beweis stellen und ein paar neue Fänge präsentieren.

Das Kaminfeuer knistert vor sich hin und gedankenverloren lege ich ein paar Holzscheite nach.

Holzscheite? Eine Idee nimmt in meinem Kopf Formen an!

Die Dinger hast Du doch in mühevoller Arbeit schweißtreibend in die richtigen Längen zerkleinert.
Und womit hast Du das gemacht? Rüchtüch mit der Kettensäge! Was kann man noch zersägen?

Schon wieder richtig – EIS!

         

 

Morgen ist Sonntag und es ist Sonnenschein angesagt. Ein Plan schießt mir durch den Kopf und
schnell ist das Telefon gegriffen. Es klingelt, gutes Zeichen! Christian meldet sich und schwupps
sind wir morgen früh zum Eisangeln verabredet.

        

Wir wählen einen uns bekannten Baggersee dessen Unterwasserstruktur wir durch viele Schlepp-
sessions bereits bestens kennen und uns fällt es nicht schwer eine schöne Unterwasserkante anhand
von Landmarken zu finden. Hier müssen Hechte sein! Hauptsache die haben auch Hunger.

        

Die betankte Stihl angerissen und ein Knattern geht über den still daliegenden See. Ich mache drei
Löcher.

         

Agressiv frisst sich die Sägekette wie Butter in das dicke Eis und schnell ist das erste quadratische
Loch von 40 mal
40 cm fertig.

        

Die eingefrorenen Rotaugen , die ich Gott sei Dank noch im Tiefkühler finden konnte, sind schnell angeködert und werden durch das Loch auf 4m Tiefe versenkt.

        

Die strahlende Sonne verziert den schneebedeckten See mit unseren langen Schatten und  vertreibt langsam die Kälte von unseren Wangen. So lässt sich’s aushalten.

        

Unsere Taktik ist einfach. Rute, Rolle, Schnur, Pose, Blei, Wirbel, Stahlvorfach mit Drilling…fertig…
das ganze im Eisloch versenken und warten.

        

Schon nach kurzer Zeit sehe ich aus dem Augenwinkel meine Pose abtauchen und lege die paar
Meter zu meiner Rute in „vorsichtigem Eiltempo“ zurück um nicht auf dem Eis bzw. Schnee auszu-
rutschen. Rute in die Hand, Kontakt, Anschlag, hängt!

        

 

Der Drill erweist sich als nicht ganz einfach, denn meine Rute ist ja eigentlich nicht fürs Eisangeln
gedacht und milde ausgedrückt…etwas zu lang. Um nicht die Schnur an der Eiskante des Lochs zu beschädigen, muss ich bei jedem neuen Fluchtversuch die Spitze ins Loch tauchen.

        

Irgendwann zeigt sich dann ein „Entenmaul“ und schaut mich entgeistert an. Ja mein Guter, du bist reingefallen! Kiemengriff und raus mit Ihm. Ein schönes Exemplar mit 79 cm…Super!

        

Der Tag ist ja schon mal gerettet!

Nach ein paar Schlucken Glühwein und ein bisschen auf der Stelle treten (hätte ich doch bloß meine warmen Einlagen nicht vergessen) muss ich schon wieder einen Spurt hinlegen, denn meine Bremse
fängt an zu Kreischen.

         

Heftiges Kopfnicken mit kurzen schnellen Fluchten sagen mir…wieder ein Hecht und kein schlechter.

         

Gut das ich durch Freund Esox Nr. 1 schon ein bisschen Erfahrung im „Durchseislochdrillen“
bekommen habe, denn dieser Bursche legt sich etwas mehr ins Zeug.

        

Trotz heftigsten Wiederstandes kann er seine Ausdauer nicht lange hochhalten und prallt mit seinem Schädel bei einem letzten Fluchtversuch gegen das Eis in der Nähe des Loches.

         

Ich bilde mir ein, das Eis auf dem ich stehe knacken gehört zu haben, aber es kann auch nur eine
akustische Täuschung, hervorgerufen durch zu großen Adrenalinausstoß, gewesen sein!?

         

Finger unter den Kiemendeckel und schon hebe ich das Prachtexemplar elegant aus seinem eisigen Lebensraum.

             

Ein wunderschöner Hecht mit
102 cm  liegt in meinen Armen. Was für ein „heißkalter Tag“, wenn
Ihr versteht was ich meine?

         

Noch ein paar Tipps von mir zum Eisangeln:

 

1. Bitte unbedingt sich vorher über den Zustand und die Eisdicke erkundigen.
2. Die Löcher immer in gebührendem Abstand machen.
3. Am besten noch ein langes Seil als Sicherheitsleine mitnehmen.
4. Sich NIE in der Nähe von noch offenen Stellen aufhalten.

Sollte das Eisangeln bei Euch auch erlaubt sein, dann wünsch ich Euch tolle Tage bei des Angler´s „Wintersport“!

Tight Lines


Euer Claus



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