Arrival & Beyond!

Meine roten Blutkörperchen fließen in doppeltem Tempo durch die angespannten Adern. Der Adrenalinausstoß ist einfach phänomenal! Die XZOGA ist kreiselrund! Gleich müsste ein riesiges
Maul auftauchen….gleich!!!!

Dann ein Gong, dann Dunkelheit!

 

Etwas verschwitzt öffne ich die Augen und ein Licht über mir brennt sich in meine Netzhaut!

“Fasten Seatbelt“

         

Noch ganz benebelt von meinem Traum, eigentlich schade das er so abrupt unterbrochen wurde,
schaue ich aus dem verkratzten Fenster der Egypt Air Maschine MS Sowieso und sehe Kairo bei Nacht.

        

Na endlich! Die viereinhalbstündige 1. Etappe unseres Lake Nasser Trips ist fast beendet. Immer
tiefer sinkt die Maschine und in der Endphase des Landeanflugs sieht es fast so aus als ob sie die
Häuserdächer im nächsten Moment streifen würde. Da… die Landebahn. Rumpelnd setzt sie auf!

 

30 Grad umschmeichelt meine nicht bedeckte Haut auf dem Weg zum Bus, der uns in das
Flughafengebäude bringt. Hier eine Überraschung!  Nach der obligatorischen Einreisekontrolle
standen wir auf einmal vor Mundschutz tragenden Wärmebildkameras bedienenden Weißkitteln.
Die Angst vor der Schweinegrippe hatte Ägypten also auch erreicht.

Am Laufband dann Koffer und Rutenrohr geschnappt, schnell noch die Visamarke gekauft, ab zur
Passkontrolle, durch den Zoll und hin zu den wild mit einem Schild „Mr. Kornblum/Mr. Richter“
schwenkenden Mitarbeitern von American Express, deren Kleinbus uns zum Inlandsterminal brachte.
Dort eingecheckt und am Gate … warten auf die Maschine nach Assuan.


Es ist mittlerweile kurz vor 5.00 Uhr morgens, aber die 45 Minuten bis zum Weiterflug vertreiben wir
uns mit wilden Phantasien. Natürlich im Bereich Vundu- und Nilbarschfischen…was habt Ihr denn
gedacht.

         

 

Nach kurzer Wartezeit betraten wir dann die wenig Vertrauen erweckende Egyptair-Maschine, aber
etwas Abenteuerfeeling muss ja sein.

         

Der Sonnenaufgang über der Sahara war natürlich fantastisch und ein Funkeln machte uns auf die
unregelmäßigen Uferstrukturen des fieberhaft erwarteten „Heiligen Wassers“ aufmerksam.

         

Überpünktlich um kurz nach Sieben landet unsere Maschine dann auf der schwarzgrauen Piste, die
im gelben Sand der Wüste völlig fehl am Platz wirkt. Auch hier sind wir nicht lang allein. Mitarbeiter
von meinem Partner „African Angler“ nehmen uns sofort unser Gepäck ab und verladen es unter
ein bisschen Gestöhne in und auf dem Kleinbus der für die nächsten Stunden unser etwas
unkomfortables Fortbewegungsmittel sein wird.

Nach ein paar „Shokrans“ und „Tamams“ machen wir uns auf den Weg zum Basma Hotel, wo wir
uns mit Tim Baily, meinem Partner in Ägypten treffen wollten.

         

Nach einem kurzen „Continental Breakfast“, der Kaffee war übrigens erste Sahne, war unser Fahrer
da und wir changden kurzfristig auf „TiminseinerVillabholen“ um. Schnell sein Tackle verstaut und
in den Kleinbus eingestiegen.

Star Trek mäßig ging´s dann los, denn der Fahrzeughimmel hatte noch immer seine Schutzfolie die
wirklich sehr an ein Szenario aus einem Science Fiction Film erinnerte.

         

Hoffentlich haben wir alles dabei, schießt es uns durch den Kopf, aber dafür hatten wir ja im Vorfeld "handgeschriebene" Spickzettel ;-)!

Am örtlichen Polizeirevier klaubten wir noch einen bewaffneten Cop auf, der uns auf unserer Safari
begleiten würde.

“Klappernd und ratternd bahnt sich der fast schon schrottreife Mitsubishi seinen Weg auf der
Schotterpiste in der Wüste in Richtung „Garf Hussein“. Nur ein paar Schlenker des angespannten
Fahrers, der Schlaglöchern und gefährlichen spitzen Steinen ausweicht, unterbrechen die monotone
Wüstenfahrt.“…… So wäre der Bericht weiter gegangen, hätten wir das Jahr 2005 gehabt! Aber was
für eine Überraschung! Perfekt geteerte Straßen, ein fast neuer Bus und eine angenehm klimatisierte
ruhige 2-stündige Fahrt brachten uns an die Anlegestelle, an der unser „Mothership" und unser
Angelboot auf uns warteten.

Um Michi das wichtigste arabische Wort beizubringen, fragte ich sofort nach unseren Chancen auf
einen großen Nilbarsch und die Antwort kam prompt: „Inshallah“ ….was übersetzt so viel wie „Nur
Allah weiß das“ oder wie der gute alte Franzl zu sagen pflegte „Schaun wa mal!“ bedeutet.

Rückblende:


Flughafen Frankfurt, 20.00 Uhr, 17.05.2009, Abflug, Halle B. Unser Wagen hält vor dem Eingang.
Es steigen aus Michi, meine Frau Ute, meine Tochter Neele und meine Wenigkeit. Nach ein paar
Abschiedstränen, ein paar Vorsichtstipps und einem „Viel Spaß und kommt heil wieder!“ betreten
wir die Abflughalle.

Die Rollen unter unseren Koffern und Rutenrohren ersparen uns das lästige Geschleppe und
schonen so unsere Schultern und Arme für die hoffentlich noch bevorstehenden Drills.

                                  

Nach einigen Fehlversuchen den Check-In zu finden, landen wir schließlich am zuständigen
Lufthansaschalter.

Da es kein reiner Egypt Air Flug sondern ein Co-Chair Flug der LH war, schwante uns Übles, denn
meine mündliche Vereinbarung der kostenlosen Übergepäckmenge mit dem Chef der Egypt Air
stieß auf taube Ohren. Auch ein Besuch beim Flightmanager brachte keine Abhilfe.
Also in den sauren Apfel beißen und das „Extra Luggage“ zahlen und im Nachhinein wieder
einfordern.

Nun aber kam der junge Araber mit dem breiten hessischen Dialekt am Sperrgutschalter ins Spiel.
Zitat: „Also 20kg Übergepäck, mmh…des wär me ja jetzt persönlisch n´ bissche zu hatt! Da schaue
me ersema!"

Plötzlich war das Rutenrohr ungewogen verschwunden, Michis´s 23,5kg schwerer Koffer wurde
mit "Sage mir ma der is fine." an die Seite gestellt und mein 31kg schwerer Tauchtrolli  wog
plötzlich nur noch 28 kg!?  So wurden aus über 20 nur noch 8 kg Übergepäck (immerhin noch  
€ 160,00 Zuzahlung). Puuh…Glück gehabt.

                 
 
Der Magen fing jetzt an laute unüberhörbare Knurrgeräusche von sich zu geben und wollte gefüllt
werden. Also einen McD Stehimbiss aufgesucht, ein paar Hamburger durch die Speiseröhre
wandern lassen und ab zum Gate. Auf halbem Weg ging´s nicht weiter weil die Flughafenpolizei
den Weg abgesperrt hatte und hektisch mit Sprengstoffhunden agierte.

         

Mein Versuch die Aktionen per Handy zu fotografieren, wurde mit einem mehr als lautstarken

„No Photos“

eines gereizten Grenzbeamten im Keim erstickt. Doch der Keim hatte schon gekeimt und ein Photo
der Wartezeit speicherte sich ab!


Ankunft am Pier


Nach großem Hallo und einer festen Umarmung durch meinen Freund Mohammed Abdul wurde
das Gepäck an Bord unseres Angelbootes gebracht. Nach einem Begrüßungsdrink ging´s los mit
Aufriggen, Einräumen ….zumindest das Gröbste.

         

Bereits am Pier konnten wir die ersten Tigerfische und Tilapias im glasklaren Wasser stehen sehen.
Erstmal ein bisschen Trolling und sich mit den Schleppbedingungen vertraut machen.

         

Guide Ramadan half Michi das 77´er Xzoga Fluocarbonvorfach in die doppelt gelegte Hauptschnur
einzuflechten. Ich wählte als erstes die Xzoga Taka-Pi 2,70 m Prototyprute, welche ich mit einer
Accurate Boss Multi bestückte. Die Xzoga 31´er Multicolor Geflochtene mit einem ca. 1,80 langem
durch einen Mahin Knoten verbundenen Iron Claw Fluocarbonvorfach und 100 lb Karabinerwirbel
plus dem obligatorischen Super Shad Rap vervollständigten meine erste Wahl.

         

Dann flog der erste Super Shad Rap ins Wasser. Ein von Michis Freundin eigenhändig umlackierter
Red-Head mit Flammen und Zähnen brachte leider nach 20 min keinen Biss.

         

Also Köderwechsel auf silber mit orangenem Bauch und zehn Minuten später lief Michi´s Bremse.

         

Der Erste, wenn auch mit 6-8 lb kleiner Nilbarsch, hatte sich Michi´s Wobbler geschnappt.

                 

         

Nach einem, bei dieser Größe und dem starken Gerät nicht verwunderlichen unspektakulären Drill
und ein paar Fotos landete er zum weiteren Abwachsen wieder im See.

         


Nachdem wir noch etwas erfolglos geschleppt hatten, liefen wir zum Lunch ein flaches, sandiges,
von Krautbänken umgebenes Eiland an, wo unser Mutterschiff und Tim´s „Tiger“ schon auf uns
warteten.

         

Nilbarsch- und Tigerfischtackle

 

Zum Einsatz kamen folgende Combos:

 

Michi fischte beim Schleppen mit einer meines Erachtens nach  zu steifen Berkley Rute bestückt mit
einer Shimano Calcutta 7000 und 0,35 mm gflochtener Schnur.

Zum Uferfischen benutzte er die 2,70 m Aircut Spin von Ehmanns mit einer Stella 6000 und zum
leichten Tigerfisch Spinnfischen kam eine handgebaute „Schalkerute“  (weißer Abu Garcia Blank
mit blauen Wicklungen) in der “Shortversion“ von 1,65 m mit Baitcaster zum Einsatz. Er, als
glühender Leverkusen-Fan, hatte sichtliche Anfangschwierigkeiten sich an die Farbgebung der Rute
zu gewöhnen. Als Ausgleich, wechselte er dann die Rolle gegen eine kleine Sängerrolle mit „roter“
Schnur. Dann ging´s besser!!!

         

Ich wählte die schon erwähnte Taka-Pi / Accurate Boss Combo zum schweren Schleppen mit sehr
tief laufenden Wobblern, die viel Druck entwickeln. Auch die Hiro-Combo Bellona 30 lb / 2,70 mit
der Victo 6000 F sind zum leichten Schleppen perfekt.

         

Zum „Schattrapp“ Schleppen und schweren Uferfischen die Xzoga Mastery 10 Fuß mit einer Penn
Sargus 6000 und 0,24 er Faceline in rot. Obwohl eine 5000´er auch gereicht hätte, etwickelte sich
diese Combo nach und nach zu meiner persönlichen Traumkombination. Gewicht, Verarbeitung,
Belastungskurve, Rückgrat, Handling der Rute… einfach traumhaft.

         

Auch die Penn Sargus, die ja im nicht so hohen Preisegment liegt, überzeugte vollends. Vor allem
die Bremse, die völlig weich und ruckelfrei anläuft, steht den Bremsen der € 250,- Rollenklasse in
nichts nach. Auch die Schnurverlegung ist einsame Spitze, einfach eine perfekte Rolle für wenig
Geld. Das ich mit meiner Schnureigenmarke „Faceline“ sehr zufrieden war, brauche ich wohl
nicht extra zu erwähnen.

         

Zum leichten Spinnfischen wurde von mir eine Shimano Twinpower 3000 mit einer 2,70 m langen
5-teiligen Shimano Speedmaster Reiserute und 0,11 mm Faceline in gelb benutzt.

1. Lunch

Erste Amtshandlung am Hausboot… `ne Dose eiskalte Coke um die Wette leeren. Das ist das
Allerfeinste nach einer langen Trollingtour  bei 38° im Schatten!

         

Nach einem opulenten 3-Gänge Menue mit Tim, einigen kurzweiligen Fachsimpeleien und nach der
Info an den danach etwas verwundert dreinblickenden nubischen „Obers“ bezüglich Michis
Essgewohnheiten, er ist Fisch essender Vegetarier, hielt uns nichts mehr, denn bereits beim Essen
konnten wir im Kraut etliche Tigerfische sichten.

Also ab ins Boot, die Spinnruten klar gemacht und ab ans bzw. ins Wasser.

Michi entschied sich für einen Spinner der Größe 1 in neongelb mit roten Punkten (Dieser sollte sich
im Verlauf des Trips als einer "der" Tigerfischköder herausstellen). Ich wählte zum Testen mal einen
Asp-Spinner von Spro der sehr gut auf Rheinrapfen funktioniert. Diesen kann man sehr weit werfen
und die superschnelle Einholphase macht den Tiger´s auch nichts aus. Er war perfekt für diese
Fischerei geeignet. Leider hatte ich nur zwei Stück dabei, die nach 2 Tagen die Unterwasserbüsche
jetzt arabisch weihnachtlich verzieren.

         

Was dann geschah war einfach unbeschreiblich! Sobald sich der Köder durchs Wasser bewegte,
wurde er von Tigerfischen attackiert. Hierbei spielte es nicht mal eine Rolle ob sich das Spinnerblatt
auch drehte. Auch ohne „Spinningaction“ wurde rücksichtslos darauf eingehackt.

Es stellte sich aber als nicht einfach heraus die Kameraden zu haken, da sie sofort wahnsinnig
akrobatische Sprünge aus dem Wasser machten und immer wieder den Spinner aus Ihrem
ultraharten Maul abschüttelten. Dafür kam sobald sich der Köder wieder im Wasser befand die
nächste Attacke! Drei, vier oder fünf Hits während eines Auswurfs waren die Regel. Fantastisch!

         

Langsam bekamen wir den Dreh raus und führten die Spinner so schnell und so tief wie möglich,
indem wir die Rute bis zur Rolle unter Wasser hielten. Das ging problemlos, da wir bereits bis zum
Bauchnabel, in Krokodilangriffshöhe, im angenehm frischen Wasser standen.

Schnell konnten wir den ersten Tigern Saharaluft zufächeln, die wir als Welsköder brauchten.

         

Nach ca. 1 Stunde Krautwaterei um die Insel, oder besser gesagt 80-100 Bisse später, stießen wir
auf einen alten zahnlosen, nubischen Fischer, welcher uns vor Krokodilen warnte und uns ein paar
Momente später zu verstehen gab, das wir doch auf einen „Chai“ (Tee) in seine Hütte kommen
sollten. Als weltoffene Leute ließen wir uns das gastfreundliche Angebot nicht entgehen und folgten
dem „Fisherman“ in seinen spärlichen Unterstand (Hütte konnte man dazu fast nicht sagen). Mit
einem Glas Tee in der Hand (man war der heiß!) gab´s eine „Wohnungsführung“!

Der alte Mann versetzte uns in Erstaunen als er uns in einer Ecke seines Verschlags ein
nigelnagelneues Solarpanel und eine riesige Lkw Batterie präsentierte. Wohl Gaben im Rahmen
irgendwelcher Entwicklungshilfemaßnahmen. Eine 2. Solaranlage vor der Hütte und von der Decke
baumelnde Energiesparlampen vervollständigten den wahrhaft skurrilen Anblick.

Wieder am Boot machte Michi noch einige Würfe vom Heck und bekam auch hier Tiger an den
Haken. Nach einem recht weiten Wurf, bekam er beim Einkurbeln einen gewaltigen Biss. Der Fisch
nahm schnell Schnur von der kreischenden Bremse. Die „Schalkerute“ bog sich beängstigend.

         

Ist´s ein großer Tiger, die hier bis 15 Pfund schwer werden, oder ein halbstarker Nilbarsch? Nichts von alledem!

         

Zum Vorschein kam zum Erstaunen Aller ein wunderschön rosé/silber schimmernder Tilapia mit
einem kapitalen Gewicht von ca. 5-6 Pfund.

                   

Normalerweise sind die Tilapias Algen und Pflanzenfresser, doch Ihre Eigenschaft als Maulbrüter
ihre Jungen zu bewachen, hat dieses Exemplar wohl dazu veranlasst den kleinen Spinner als
Tigerfisch zu identifizieren, der seine Nachkommenschaft fressen will.

         

Da hat er ihn einfach weg beißen wollen und landete prompt an Deck in Michis Händen. Diese
Größe ist selten und Michi kann sich glücklich schätzen einer der wenigen Angler zu sein, die solch
ein kapitales Exemplar fangen konnten.

         

Angeblich wird diese Tilapiaart bis über 20 Pfund schwer! Wir werden sehen!

         

Der Fischfleischvorrat für meinen Grünzeug liebenden Angelpartner war somit für die nächsten
Tage gesichert.

Freut Euch auf den 2. Teil "The First Days" der in Kürze erscheinen wird!

Eure Wüstensöhne

Michi & Frank




TOP   /   HOME