Last Chances!

Klar, dass nach einigen missglückten morgentlichen Shorefishing Versuchen erstmal Bootfahren
angesagt war. Aber nur zum nächsten Uferplatz.

         

Dort, auf einer nahegelegenen Insel konnte Michi einen Elefantenrüsselfisch sehen, der aus der
Tiefe kam und sich einige von seinem Wobbler aufgekratzte Algen schnappte. Leider bekamen wir
keines der Tiere nochmal lebendig zu Gesicht, so dass hier das Foto eines toten, leider schon ein
wenig aufgeblähten Exemplars, herhalten muss.

         

Nach einer Stunde weiteren Schleppangelns legten wir auf der im vorigen 2. Teil erwähnten
Formation Khalabscha an, wo Michi auf seinen grün-gold-roten Baramundikiller von Halco einen
6-7 lb Nilbarsch direkt an der schroffen Felskante landen konnte.

         

             

Da der Tilapia inzwischen aufgebraucht und von Michi auch verdaut war, bot sich damit eine
günstige Gelegenheit, seinen Bedarf an tierischem Eiweiß für die nächsten Tage sicherzustellen.

         

So wanderte der Bursche halt in die Küche.

         

Weiter gings, immer noch später Vormittag, zu einer Insel mit einer sehr steilen Felsküste, genannt
"The Military Camp" zum weiteren Spinfischen.

         

Hier konnte ich per Polbrille einen sehr großen Nilbarsch von ca 30-40kg sichten. Muss wohl aus der
Tiefe meinem Wobbler gefolgt sein und schwamm nun dicht unter der Oberfläche in ca. 20 m
Entfernung paralel zum Ufer. Unglücklicherweise verunglückte mein Anwurf und ich überwarf den
Fisch so dass die Schnur seinen Rücken berührte. Nicht darüber erfreut, verschwand er schnurstracks
wieder in tiefere Gefilde. Mist aber auch, das wär er gewesen! Auch Michi bekam einen Biss und
hakte einen Baby-Barsch von ca 3 lb.

         

Dann geschah es! Dem Baby folgte seine "Mama"! Er sah einen gewaltigen Schädel. Auf den Rat von
Ramadan, der es sich auf den Felsen hinter ihm gemütlich gemacht hatte, schmiss er schnell den
Kleinen mitsamt Wobbler wieder rein, in der Hoffnung er würde von dem Großen geschnappt. Puls
180/min und halbe Herzattacke! Doch leider geschah nichts. Der Große tauchte nicht mehr auf. Zwei
Chancen für Dickfisch liegen lassen, schade. Ramadan schätzte den Predator wohl auf ähnliche
Größe wie den anderen. Immerhin hatten wir nun beide schon mal zwei der richtig Großen zu
sehen bekommen.

         

Fröhlich und neu motiviert schipperten wir schleppenderweise weiter. Nach einigem Suchen fanden
wir dann das Hausboot an einer sandigen, flachen Insel vor Anker. Ein Glück, denn wir hatten
mächtig Kohldampf. Nachdem der Hunger gestillt war, gings, zwecks Livebaitbeschaffung auf
Tigerjagd per Fussmarsch. Mit mäßigem Erfolg. Michi erwischte zwei Tiger, ich ein kleines Bärschlein
mit auffälligen Giraffenhmuster.

         

Einbe Kakophonie aus permanentem Kreischen, Pfeifen, Flöten und Gezeter liess mich aufhorchen.

         

         

Nach einigem Gewurschtel durch stacheliges Dickkicht, entdeckte ich dann eine große Reiherkolonie.

             

         

Verschieden Reiherarten und Ibisse hatten in den etwas höheren Büschen auf einer Strecke von fast
200 m ihre Nester gebaut und waren mit Territorialkämpfen und Nestverteidigung beschäftigt.

         

Als ich kam, hatte sie doch Schiss und flogen immer auf wenn ich zu dicht herankam um ein paar
Fotos zu schießen. Trotzdem sind mir ein paar tolle Motive in die Speicherkarte geflutscht, die ich
den Ornithologen unter Euch nicht vorenthalten möchte.

             

Ramadan sammelte uns danach wieder mit dem Boot ein. Beim Trollen erwischte Michi auch noch
einen Mini-Nilbarsch.

         

Sonst ging ausser einigen obligatorischen Tigerhits, zu sehen an den Zahnspuren im Wobbler, leider
bis zum Abend nix mehr. Wir hatten beschlossen diesen Teil des Sees intensiver zu befischen und
das Hausboot lag nach Absprache mit dem Guide und uns ganz in der Nähe der Stelle an der wir
bereits mittags Rast gemacht hatten.

         

Da es noch einigermaßen hell war, beschlossen wir uns das Stealth-Boot zu nehmen und noch ein
paar Tigern nachzustellen. Nun hieß es den Nubier, der uns das Boot rübergebracht hat, davon zu
überzeugen, dass wir gute Bootsfahrer mit über 20jähriger Erfahrung sind und wir alleine raus
wollten. Ein durchaus schwieriges Unterfangen, da dieser die ganze Zeit glaubte wir machen Witze.
Schließlich gelang es dann doch und wir brachten ihn zurück zum Hausboot. Leider ging das Licht
schnell weg, so dass unsere Tigerjagd kaum Erfolg hatte. Lediglich einige Hits und ein kleiner
Nilbarsch konnten verzeichnet werden.

Nach dem Abendessen legten wir wie immer unsere Vundu-Ruten aus. Ich nehms gleich vorweg -
Ohne Erfolg! Am nächsten Morgen frühstückten wir das letzte mal mit Tim, der weiter musste um
eine andere Safari zu betreuen. Schade, hatten wir die Gespräche mit dem ruhigen Engländer doch
immer sehr genossen. J
etzt gings wieder raus auf den See. Nachdem wir auf 'ner Insel noch zwei
Tiger fingen um den Livebaitbehälter aufzufüllen, fuhren wir zu einer Felskante und machten ein
paar Würfe vom Boot aus.

         

Wieder nix! Also schleppten wir entlang einiger Unterwasserfelsen, die von der Form her eine recht
interessante riff-artige Struktur bildeten.

         

Hier konnte ich einen ca. 15 lb Fisch haken.

            

Wunderschöner Fisch. Nach den obligatorischen Fotos fand auch er den Weg in sein kühles Element
wieder. Kurze Zeit später bekam auch Miichi einen heftigen Biss.

         

Diesmal hatte er zwar die Finger von der Multi gelassen, aber trotzdem schlitzte der Fisch nach ca.
30 sek aus. Verdammt! So langsam kam er zu dem Schluss, dass seine Bootsrute einfach zu steif war.
Hatte ich ihm aber vorher schon gesagt! Wer nicht hören will muss fühlen...so heißt es doch, oder?
Schließlich stellte er seine Bremse bedeutend weicher ein. Seine Stimmung war fast schon auf dem
Nullpunkt und er war inzwischen am Zweifeln, ob es ihm wohl gelingen würde doch noch einen
guten Fisch zu landen.

Da findet man endlich einen vernünftigen Spot und wieder schlitzt der Fisch aus. Er hätte in die Rute
beissen können. Also erstmal wieder zum Hausboot ...Essen.

         

Nach dem Lunch erklommen wir bei nicht unerheblichen Aussentemperaturen einen Berg und
wurden prompt mit 'nem Hammerpanorama belohnt.

         

         

Ein atemberaubender Überblick über Hauptsee und ein paar Seitenarme beschwichtigten unsere
Gedanken und per Fernglas machten wir vermeintlich aussichtsreiche Stellen für die Lebendköder-
angelei mit dem kleinen Boot aus.

               

         

Berg wieder runter, eiskalte Cola in den Hals und ran ans Geschirr. Plötzlich rief mich Ramadan!
Ein faszinierendes Insekt sass auf dem Servierwagen.

         

Das Alien war eine Gottesanbeterin (Mantide)!

                 

Hier die Daten dazu:
Kleine Teufelsblume - Blepharopsis mendica
Herkunft: Nordafrika, Naher Osten bis Afghanistan
Schutzstatus: keiner
Endgröße: KRL (Kopf-Rumpf-Länge) 6 cm, Männchen kleiner
Terrarienmindestgröße: Kleinstterrarium vom 25x25x25cm für 1 Tiere, Trockenterrarium

Aktivitätszeit: Tag

         

Was sich noch alles für Gesellen mit mehr als 4 Beinen blicken liessen? Hier eine Auswahl:

         

2 Wallerruten und die Schleppruten wurden aufgeriggt, Montagen wie beim Wallerdriften. Also ab
ins Stealth Boot und zum ersten vom Berge ausgemachten Platz. Mittlerweile hatte der Wind ein
wenig gedreht und die Drifterei stellte sich als schwieriger raus als geplant. Wo der Wind vor kurzem
noch paralel zum Ufer wehte, drückte er jetzt schräg auf das Ufer zu. Mit E-Motor wäre dass kein
Problem gewesen, hätte man doch wunderschön korrigieren können. Aber woher nehmen, wenn
nicht einfliegen lassen? Die steilen Inselkanten der Umgebung versprachen zwar Erfolg, aber wenn
man seine Köder nicht richtig laufen lassen kann, entwickelt sich so eine schräge Drifterei zu einer
Quälerei und bringt natürlich auch keinen Erfolg. Wir hatten aber auch Pech, meine Güte!

Wieder aufs große Boot umgesattelt und, wer hätte das gedacht, Ramadan fuhr zu den gleichen
Stellen, die wir mehr schlecht als recht mit Köfis abgefischt hatten. Er kannte also auch die Stellen!

         

Beim Schleppen gings dann Schlag auf Schlag.

         

Erst konnte Michi mal wieder ein "Baby" von wenigen lb landen.

         

         

Dann gab es einen odentlichen Ruck und die Bremse seiner Calcutta lief. Im selben Moment die
Aussage von Ramadan: "Keep care of the rocks, maybe it's a good one." Unser Guide fuhr das Boot
rückwärts auf die risikoreiche Stelle zu, was das Drillvergnügen etwas minderte, Michi aber in dem
Moment egal war. Wollte er doch im 3. Versuch endlich mal 'nen besseren Fisch landen. Ein paar
mal riss der Barsch noch Schnur von der Rolle, dann kam ein silberner Schatten unter der
Oberfläche zum Vorschein. Noch zwei kurze Sprünge, Landung, in Sicherheit!

         

         

Ramadan taxierte den Fisch auf 20-25 lb. Hatte es also doch noch bei Michi geklappt.

              

Ihm purzelten reihenweise Steine vom Herzen. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht setzte er den
Guten wieder zurück.

         

Fünf Minuten später, er saß noch immer dümmlich grinsend mit der Angel auf seinem Platz und
hatte den Shad Rap wieder im Wasser - Der nächste Biss! Wieder an einem Spot den wir zuvor
erfolglos mit der Livebaitrute befischt hatten.

         

Nach kurzem sprungreichen Drill kam ein munterer ca. 10 lb Nilbarsch zum Vorschein. Geht doch!

              

Auf dem Rückweg schnell noch einen Nilwaran gesichtet. Also wieder angelegt und danach
gesucht! Wieder war die Echse wie vom Erdboden verschluckt.

         

Auf dem Weg zum Boot zurück stolperte ich dann fast über einen Krokodilschädel und diverse Teile
seines Knochengerüstes.

         

                

         

Was soll ich sagen, die Zähne befinden sich jetzt an meinem Hut und um meinen Hals.

         

....und wir schleppten in den Sonnenuntergang!

         

         

Wieder zurück am Hausboot landete Michi mit der Mac-Schalkerute noch zwei Tiger, die gleich an
den Livebaitruten hinter dem Boot weiterschwimmen durften. Nun hieß es wieder auf Vundu
umzustellen. Es war die letzte Nacht und somit die letzte Chance einen dieser wunderlich
aussehenden Bartelträger an den Haken zu bekommen.

         

Wir setzten ca. 10 Ruten, zum Teil mit Paternoster Montagen. Als Köder nahmen wir auschließlich,
nicht mehr ganz frische, Tigerfischfetzen.

         

Nach dem wie immer vorzüglichen Dinner machten wir noch etwas Tigerfisch Rubby Dubby.

         

Indem wir nicht mehr ganz frische Tiger klein schnitten und mit etwas Kies, Sand und Wasser mittels
eines dicken Steins zu Brei verarbeiteten.

                  

Diesen durch den Sand gebundenen Schmock verteilten wir um unsere Köder. Bei Bier und Rauch
auf'm Dach unseres Bootes betrachteten wir nochmal unser Knicklichtfeuerwerk und schreckten
andauernd auf als die Glöckchen der auf dem Dach abgelegten Ruten bimmelten. Zuerst dachten
wir an Kleinfische die an unseren Ködern zuppelten, doch bald danach wurde uns klar, das ein
großer Fledermausschwarm über dem Wasser Radarstörungen hatte. Im 10 Sekunden Takt schellte
und bimmelte es, als sie wieder und wieder in die Schnüre flogen. Müde gingen wir schließlich ins
Bett, aber nicht ohne vorher die Glocken von den Dachruten zu entfernen. Da kann ja keiner bei
schlafen!

G
egen 4:30 Uhr reisst uns eines der Vundu-Glöckchen aus dem Schlaf. Tatsächlich, ein Vundu hat
auf eine von meinen Paternostermontagen gebissen. Es folgte ein heftiger Drill quer durch ein
Krautfeld und hinter einem fetten Krautballen kam ein breiter, flacher Kopf zum Vorschein. Jetzt
konnten wir das ca. 1,1m lange Tier sehen. Es hatte sich bei seinem Ritt durchs Kraut bereits der
Haken im Maul entledigt und hing nur noch aussen unter dem Maul gehakt am Vorfach.

Dummerweise sind Vundus Luftatmer, so dass der Bursche jedesmal wenn wir ihn zum Greifen nahe
hatten, eine Portion Frischluft schnappte und wieder abschoss. Das Ganze machte er drei Mal, dann
war der letzte Haken ausgeschlitzt und der merkwürdige Fang verschwand in der Tiefe. Übrigens
war es ein Clarias garipinius, was man am durchgehenden Flossensaum auf dem Rücken erkennen
konnte. Verflixt, ich hätt ihn beser stranden sollen! Schade!

         


Am nächsten Morgen hatten wir noch ein kurzweiliges Shorefischen.

         

Ich hatte die Fliegenrute dabei und wollte unbedingt einen Nilbarsch mit der Fliege überlisten. Ich
bekam auch einen Nilbarsch an den Haken, wenn man dieses juvenile Exemplar schon als Nilbarsch
bezeichnen möchte.

         

Aber egal, Nilbarsch ist Nilbarsch! Michi schaffte es noch seinen Lieblingswobbler in 2,5m Tiefe in
einer Felsspalte zu verklemmen. Ohne ihn wollte er aber auch nicht abreisen, also die Zigaretten
und Sonnenbrille auf 'nen Stein gelegt und ab in die Brühe und den Wobbler befreit. Wie immer
herrlich erfrischend! Der nächste Wurf sollte ihn gleich für seine Mühe entlohnen.

         

Ein Kleiner schnappte sich den Baramundi-Killer. Auch ich konnte mit Blinker noch einen Guten zum
Anbiss verleiten.

         

         

Dann kam schon Ramadan mit dem Boot um die Ecke und weiter gings zur letzten Trollingrunde
des Urlaubs. Hier gelang es mir noch einen sehr schönen ca. 15 lb Fisch den Tiefen des Sees zu
entreißen.

         

         

Wir machten noch einige schöne Fotos und ich schenkte den Fisch unserem Guide, der am
Nachmittag in sein Dorf zu seiner Familie fahren wollte. Auf einer kleinen Insel machten wir noch
20 min. Halt zum letzten Shorefishing.

D
a hier auf Nilbarsch nix mehr ging, hängte Michi einen kleinen Effzett in seinen überdimensionier-
ten Wirbel ein und konnte noch den letzten Tigerfisch des Trips landen. Auch hier einige schnelle
merkwürdige Fotos aus seiner eigenen Hand geschossen.

         

Der letzte Lunch war schon in Sichtweite von Assuan. Zwischendurch mussten wir noch abriggen
und den ganzen Kram wieder flugfähig verpacken. Keine schöne Arbeit, wenn man am liebsten
noch vier Wochen bleiben würde. Jetzt gings heim in die Zivilisation! Im Hafen hieß es Abschied
von Ramadan und der Crew nehmen, die uns die Woche über super versorgt hatte. Zum Hotel,
Einchecken, email an zu Hause und mit 'nem kühlen Drink an den Pool.

         

         

Abends schoben wir noch 'ne kleinen Stadtbesichtigung und den Basar von Assuan ein und
beglichen unsere Getränkerechnung im Büro von African Angler.

         

Der Gewürzeinkauf gestalltete sich einfacher als gedacht. Binnen kurzer Zeit hatte Michi bereits
1,7 kg der wohlriechenden Pflanzenprodukte zusammen, für die der Händler 975 ägypt. Pfund haben
wollte, also 140€.

         

Doch als ihm Michi sein recht leeres Portemonaie zeigte, gab er sich mit den letzten 150 EGP's
vorerst zufrieden. Sie einigten sich darauf, den Rest der Rechnung bei einem seiner nächsten
Ägyptentrips zu begleichen!

INSHALLAH!???!


Nächstes mal wird Michi in Landestracht erscheinen! Versprochen!
Steht ihm doch gut das Ding, oder?



Next Time - Der 4. Teil!

Eure Wüstensöhne

Michi & Frank




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