Christian Sascha Frank
aka Cathunter Borken aka Nightcrawler aka Kampflaube
00.17 Uhr! Mein Handy macht auf eine SMS mit dem lauten FOX LXR Run Klingelton auf
sich aufmerksam! „Zeitplanänderung wg Wetterlage?“ steht da geschrieben. Wieso denke
ich, Sascha hat doch erst die Abfahrt 1 Stunde vorverlegt? Ich schaue aus dem Fenster
in
ein trübes Weiß. Hat´s doch schon wieder geschneit – Sch…e! Mindestens 10 cm
Neuschnee!
Na gut, dann eben noch ´ne halbe Stunde früher. Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr an
der Matratze zu horchen. Überfrüh, so gegen 2.00 Uhr, erscheint dann Sascha und wir
quälen uns durch Schnee und Eisregen über die Bahn Richtung Frankfurt-Hahn. Trotz
gefühltem Tempo 50´zig erreichen wir den Flughafen früher als gedacht, checken ein und
überbrücken die Zeit zum Boarding bei einem Frühstück im „Bit-Stop“.
Verwundert lasse ich meine Blicke zwischen seinem und meinem „Tageserstlingsmahl“
hin
und her schweifen. „Ich hab Urlaub!“ posaunt er heraus, bevor er die „Hopfenkaltschale“
an die Lippen setzt. „OK?“.
Der Flug mit Ryan-Air verlief ohne Komplikationen bis auf leichte Rückenschmerzen, da
sich die Sitzlehnen in der Holzklasse nicht verstellen ließen. Ein gutes Training für die
2 Nächte auf der Karpfenliege.
Gerona erwartete uns mit bedecktem Himmel aber 8 Grad plus. Der gemietet Kleinwagen
reichte völlig aus, da wir mit Bonsaigepäck auf Tour waren. Zwei Rucksäcke und eine
Tasche mit den Schlafsäcken. Den Rest gab´s vor Ort auf Leihbasis.
Nach 2,5 Stunden Fahrt wurden wir das erste Mal durch die weit geöffneten Tore der Flixer
Staumauer geschockt! Wild schäumend bahnten sich die hohen Fluten durch den Kessel.
Die Flusssession konnten wir also schon mal abhaken. „Vielleicht geht ja was am
Zwischenstau?“ sagte Sascha mit unverhohlener positiver Einstellung. „Mal sehen!“.
14 km weiter erfassten unsere Blicke die Staumauer von Riba-Roja, die man hinter einer
turmhohen Gischtwand gerade so erkennen konnte. „Diese Alternative ist also auch
gegessen. Mist!“ presste ich hervor.
„Lass uns zu Christian fahren. Vielleicht hat er eine Idee?“
Der „Comodo-Waran“ erwartete uns schon und nach einer herzlichen Begrüßung und
Lageplanbesprechung entschieden wir uns am nächsten Tag im Stausee zu fischen.
Den
Rest des Tages verbrachten wir mit ein bisschen Zanderfischen am Steg und
„Klönschnack“, wie wir Norddeutschen zu sagen pflegen.
Am nächsten Morgen wurde der Supermarkt in Flix um ein Viertel seiner Lebensmittel und
um die Hälfte seiner Biervorräte erleichtert. „Was denn?“ erkundigte sich Sascha
frohgelaunt, als er die beiden Paletten mit den litrigen Bierflaschen ins Auto hievte.
Ich sagte nichts dazu.
Wieder im Camp alles in die Boote und zum „Schlitz“ rüber. Der Name dieses Platzes rührt
daher, dass man drei Liegen hintereinander in einer Felshöhle unterbringen kann.
Sozusagen ein Bivvy aus Sandstein. Sascha und Christian übernahmen das Bojensetzen
und ich die Einrichtung des Camps, wobei ich sorgsam darauf achtete den Kopfteil meiner
Liege unter die Stelle in der Höhle zu bugsieren an dem ich die größtmögliche Deckenhöhe
hatte. Dafür kassierte ich nachträglich einen Rüffel.
Bei einer Zigarillopause beobachtete ich die Beiden beim platzieren der Bojen. Hmmmh,
dachte ich, sieht ein bisschen weit aus für die Baitrunner 6500´er? Die Fin-Nor´s werden´s
packen aber die Shimanos?
Die erste Rute war beködert und an der Vorboje befestigt. Sie kamen zurück zur
Rutenübergabe. Ruckartig stoppte das Boot 40m vom Ufer. „Was ist los?“ brüllte ich rüber.
„Ich geh an Stock ey, die Schnur reicht nicht!“ brüllte Christian zurück. Meine Prognose
hatte sich also bestätigt. Die zwei „Schnurminderbemittelten“ machten sich auf den
Rückweg, kurbelten die komplette Schnur wieder auf und verlängerten den Ausleger.
20 m vor´m Ufer schrie Christian „Sascha – STOP!“. Die Geflechtlänge reichte immer noch
nicht. Wiederwillig und murrend fing Christian an zu kurbeln und das Spiel wiederholte sich.
Beim 3. Versuch klappte es dann endlich und die erste Rute war scharf.
Als sie mit der 2. Rute 10 m vor dem Rutenhalter am Ufer wieder stoppen mussten wegen
„Schnurunterlänge“, brüllte Christian: „Ich krieg hier voll ´nen Mittelschweren!!!!“ und
pfefferte die Rute ins Boot. Sascha versuchte ihn mit den Worten „Ei, es sind doch nur
noch Fünf!“ zu beruhigen, doch man sah wie es innerlich in Christian kochte.
Wäre Christian nicht so ein guter Guide hätte er den „Mittelschweren“ in einen
„Höchstbedauerlichen“ ausgebaut.
Doch er riss sich zusammen und erledigte das Auslegen zusammen mit Sascha mit
Effizienz, Präzision, Geduld und Spucke.
Alle Rute waren jetzt scharf und wir konnten zum gemütlichen Teil übergehen.
Wir fischten drei Waller Kalle Dreamfish mit Sechsfünfern, zwei Leitner Ebro und eine
Krawaller mit jeweils Fin-Nor´s im alten Flussbett in einer Tiefe zwischen 18 und 21 Metern.
Köder waren Rotaugen einzeln oder am Zweiersystem sowie ein 3 pfündiger Zander.
Da wir bei 7,5° Wassertemperatur nicht mit vielen Bissen rechneten, erschraken wir nach
dem ersten Bimmler an der Krawaller nach einer guten halben Stunde. Doch außer ein
paar Glockenschlägen tat sich nichts mehr an der Rute. 3 Minuten später glöckelte und
bog sich eine Leitner. Sascha setzte den Anhieb und pumpte den Fisch unter Gestöhne
an der Festmontage schon mal etwas nach oben. Ab ins Boot und raus.
Wir hatten unsere Priorität Nummer 1 darauf angelegt, das Sascha einen Fisch über einen
Meter fangen sollte um seine bestehende Bestmarke vom Rhein (er war noch nicht am Po,
Ebro oder France) zu überbieten. Es sah danach aus! Über dem Fisch entfernte Christian
den Sicherungskarabiner und sofort hatte Sascha richtig Druck auf der Rute. Mit den
Worten „Ooah, diese Sackratte“ klemmte er sich den Rutengriff rechts neben seine
Familienjuwelen.
Kurze Zeit später zeigte sich ein ca. 180 cm, hell gefärbter Winterwaller an der Oberfläche.
Christian landete ihn sicher. „Wat iss der fett! rief Sascha aus. Wirklich, mit so einer Wampe hatte von uns keiner gerechnet. Beim Haken entfernen wurde dem Burschen dann auch
übel und er spie halbverdaute Zander und Rotaugen aus.
Meinen Vorschlag die halbver
dauten Kadaver als Fleischeinlage für das abendliche
Nudelgericht zu verwenden, fand
leider keinen Anklang und angewidert blickten mich
meine Kumpels mit verdrehten Augen an.
Die These von den „Magischen 8° Grad“ ist hiermit von uns, den „Wallermythbustern“
zerstört worden. Auch das die Tage vorher das Wasser noch ein bisschen kälter war, hatte
den Januarbartelträger nicht daran gehindert sich den Ranzen voll zu fressen.
Das Meterziel von Sascha war also abgehakt. Nach „Gimme 5´s“ und Glückwünschen
wurde wieder neu beködert und ausgebracht.
Während der Siegesfeier in unserer Höhle bis spät in die Nacht hatten wir zwar noch zwei
Bimmler, aber nichts Handfestes mehr. Leider widmeten wir unsere Aufmerksamkeit
während der Feier mehr den Getränken und vernachlässigten mehr oder weniger die
Köderkontrolle.
Nach einer ruhigen Nacht bei 8° Grad kamen wir aber nicht umhin unsere „Wallerwaffen“
auf Fängigkeit zu überprüfen. Christian und ich übernahmen den Job. Die Bilanz bei der
Köderkontrolle war ernüchternd. Fünf „Totruten“ hatten wir die Nacht über gebadet. Das
heißt es waren alle Rotaugen verschwunden. Nur der Zander zog unbeirrt seine Kreise
in den Tiefen des Sees. „Ich kack in Teich. So ne Sch….e!“ war Christians Kommentar.
Also ab ins Camp, da uns der Teich doch nicht so geeignet für das dringende Geschäft
erschien, neue Köfi´s besorgt und zurück um wieder Chancen zu haben.
Das Frühstück wurde vom nächsten Biss unterbrochen.
Sascha konnte noch einen ca. 1,30´er landen. „Wie? Kein 2 Meter?“ konstatierte er.
„Nu werd man nich gleich größenwahnsinnig!“ gab ich zurück.
„Ich muss halt die Latte jetzt etwas höher ansetzen!“ grinste er und setzte den Waller
zurück, der übrigens auch keine ruhige Kugel geschoben und sich auch eine Plauze
angefressen hatte.
Am späten Nachmittag fing dann eine leichte Strömung an und wir hatten mit Kraut in der
Schnur zu kämpfen. Hatten die doch wieder die Tore der Riba-Roja Staumauer geöffnet
um in Erwartung von Regen- und Schmelzwasser den Wasserspiegel abzusenken.
Merklich fiel der Wasserstand.
Diesmal waren wir abends erschöpft, konnten aber dem Bier trotzdem nicht ganz wieder
stehen. Wir verkrochen uns früher auf die Liegen in der Höhle. Als ich mich noch einmal
umdrehte um „Gute Nacht“ zu sagen, erwischte ich Sascha als er noch mal, schon im
Schlafsack eingemummelt, an seiner Bierflasche nuckelte. Er bemerkte meinen
erstaunten Blick und entschuldigte sich mit den Worten: „Muss noch mal eben Sprit für
die Kettensäge nachfüllen!“
Auch diese Nacht verlief ruhig bis auf eine Kakophonie aus einzelnen Piepsern, Geklicke
der Rollenbremsen und dem Geschnarche von Sascha, von dem ich mehrmals unsanft
geweckt wurde. Aber er hatte es ja schon angekündigt!
Morgens erfreute uns erstmals die spanische Sonne. Die Ruten waren bis auf´s äußerste
gespannt, so viel Kraut hatte sich mittlerweile in der auf dem Wasser liegenden Schnur
verfangen.
Trotz dieser Behinderung konnte der 3. und letzte Waller dieser Session nicht wieder
stehen und schlürfte sich die 2 Rotaugen am System ein.
Jedenfalls versuchte er es.
Denn nach einem unspektakulären Drill von Christian, bemerkten wir, dass mein Anschlag
ihm den Haken im Außenbereich des Kopfes verankert hatte.
Zufrieden bauten wir ab und versuchten es noch ein bisschen auf Zander. Aber der
mittlerweile stark aufgefrischte Wind machte unser Unterfangen zur Tortour. So ließen wir
den Tag gemütlich ausklingen und flogen am nächsten Tag zurück ins kalte „Old Germany“!
Fazit:
Auch bei Wassertemperaturen unter 8° fressen die Waller in Spanien. Unsere Fänge haben
es bewiesen. Der Winter in Spanien eignet sich hervorragend für die Wallerangelei und
hätten wir es etwas konzentrierter angehen lassen, wären wahrscheinlich auch die 2m
gefallen.
Diese in vielen Augen unfängige Winterzeit, kann man sich mit ein paar Winterwallern in
Spanien so richtig versüßen. Für uns gibt es ab jetzt keine Winterpause mehr!
Schade wahr, dass wir nicht im Fluss fischen konnten, doch die Zeit am Stausee hat uns
entschädigt. Was will man noch mehr in der angeblichen „Winterwallerfastenzeit“?