INFECTED
Es war einmal ein Virus!

Herbst 1986 - Der Weg liegt in leichtem Nebel und die Anreise war nicht leicht, ohne Führerschein,
ohne Busanbindung…egal, nur das Ergebnis zählt.

 

Seit 3 Tagen füttern wir, meine Freunde Jörg, Michael , Andreas und ich am Kanal mit den neuen Wunderködern…Boilies.

 

Wir haben uns aus Vlotho von der Karpfenmesse einen SBS 50/50 Mix besorgt, wir wissen nicht,
was gut ist aber alles ist gut – ist es doch neu und unsere Freunde, die Karpfen, haben den neuen
Köder noch nie gesehen! Als Flavour nehmen wir Strawberry, die Murmeln riechen gut und wir
essen sie selbst, kann ja nicht schaden!

 

Also los, die ersten Murmeln gerollt und ab ans Wasser, jeden Abend zur gleichen Zeit, das muss
doch passen! Ich habe ganze 60 Murmeln abgezählt und diese per Hand gefüttert, das waren noch
Zeiten! Partikel gibt es keine, wir wollen nur mit Boilies fischen.



Wir werfen unsere 60 Gramm Bleie (als Laufblei mit kleinem Bleischrot nach 15 cm gestoppt) an
den gefütterten Platz, in der Hoffnung mit dieser  Montage einen Karpfen zu haken. So ganz vertrauen
wir der Selbsthakmontage noch nicht…aber mal sehen.

Ob die Fische die Köder angenommen haben?

Sind die Fische tatsächlich auf dem Platz? 

Funktionieren diese komischen Wundermurmeln eigentlich?

 

Wir wissen es noch nicht. Es ist Herbst, 1986, wir sind so jung, so fordernd, so hungrig, wir wollen
es wissen! Unser Platz: Eine Spitze im Kanal, hier teilt sich der Strom und genau an diesem
aussichtsreichen Spot wollen wir die neuen Wunderköder testen.






Ruten raus, die Dega-Carp kann die 60 Gramm gerade so ertragen. Ruten ablegen, die 2 Rutenhalter
habe ich mir aus dem Keller zusammengesucht. 2  Shakespeare Sigma  Rollen (Freilaufrollen gab
es noch nicht...), als Bissanzeiger dienen 2 Blechkappen. Um genau zu sein:  Radkappen von einem
VW Bus sind genau richtig!

 

Bügel auf, einen Stein auf die Spule...fällt der Stein so klackt es, hoffentlich!

 

Ach ja, das Zelt! Eine Folie aus dem Baumarkt, liebevoll mit diversen Schnüren und Strapsen am
nächsten Baum verzurrt, passt schon irgendwie.



So vergeht die Zeit, als Teen hat man viel zu erzählen! 

 

Klack!!!!

 

Nein! Oder...?

 

Biss? Ja, los, die Schnur läuft!!!! Ich stolpere zu meiner Rute, ist das wirklich wahr?
Läuft die Schnur wirklich von meiner Rolle ab...?

 

Anhieb – Kontakt - Drauf!


 

VIRUS!     INFIZIERT!

 

Wer konnte denn damals wissen, welcher Virus in der Luft war? Niemand.

Nun, wir haben unser „Wissen“ von den damaligen Kultfiguren wie Mr. Maddocks geholt,
Tim Paisley war für uns Rock´N`Roll, andere Stars viel zu weit entfernt.

 

Dann ging es los, wir waren süchtig, wir konnten nicht anders. Wir mussten uns  neu orientieren
und uns Informationen beschaffen. Es gab keine Carp Vereinigung, kein Carp-Connect, dies war
noch Zukunftsmusik in Deutschland.

Noch waren wir vermeintlich mit unserer Passion allein. Wohlgemerkt, wir schreiben das Jahr 1986!

 

Und es geht weiter! Viele neue Bücher folgen, diese haben wir uns über Briefkontakte (ja, Email
gab es noch nicht!!!) erarbeitet, haben unsere eigenen Groups gegründet: Nur aus einem Grunde:

PUT THEM BACK ALIVE!

 

Was für eine schöne Zeit mit meinen Freunden. Mein erster 20´er in Deutschland mit meinem
Freund Jörg war ein Erlebnis der besonderen Art.






Wir haben in nur einer Nacht viele Fische gefangen und das auf einem extrem kleinen Radius!
Ich habe damals viel lernen können. Aber viel wichtiger war und ist für mich:

 

Lebe und erlebe mit guten Freunden die Jagd auf den Fisch. Schärfe deine Sinne, sei wachsam,
schaue nicht nur einmal.



Denke wie ein Fisch, werde eins mit der Kreatur und verstehe warum...!

 

Dann sollte der Virus nicht wirklich gefährlich sein, es sein denn du vergisst das Leben neben dem Angeln…dann kann ich nur eines empfehlen: Change your rig – change your style!

 

Euer

 

Frank Knossalla




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