PREPARE FOR GLORY
Island - Der 2. Versuch!



Es ist Anfang März und ich kann es kaum abwarten, zähle langsam die Tage und sortiere meine
Köder, bestelle mir hier und da noch den allerneuesten Mega-Gummi-Wurm dazu. Höre Neues
auf Messen, nehme Tipps auf, wie ein Schwamm, bin hungrig nach Wissen.

Die Gespräche drehen sich immer mehr um die zur Zeit wohl angesagteste Insel für Meeresangler,
um den Traum unserer schlaflosen Nächte:

                                                Island







Sagenumwoben, mystisch, ursprünglich, rau, warm, einladend und doch eine fast abenteuerliche Herausforderung.






Diese Insel ist, nach dem Vereinigten Königreich, der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat in Europa
und ganz nebenbei noch die größte Vulkaninsel der Welt. Sie liegt im Nordatlantik, knapp südlich des nördlichen Polarkreises.

Aber es soll weiter in die Einsamkeit gehen, in die  magischen Westfjorde. Ich kann mich noch an
mein erstes Mal erinnern und werde meine Berührung mit der rauen und dennoch zarten Oberfläche
dieser eigenen Welt nicht vergessen. Mit dieser ursprünglichen Schönheit und einer Stille wie
im Vakuum.

Manchmal ist es so still, dass es einem schon wieder laut vorkommt - merkt Ihr was?

Ich bin urlaubsreif!





 

Anfang April soll es sein. Ja, nicht im Mai oder Juni, dass können ja alle. Ich möchte es wissen, möchte
mich der Herausforderung Meer stellen, möchte wissen was im April möglich ist. Ich hoffe das Wetter
hält und ich kann jeden Tag raus. Und wenn nicht?

Dann werde ich mich halt in den geschützten Fjord stellen und da meine Fische fangen!

Oder ich hocke mich einfach in Bucht Nr.7 und dreh ´ne Kiste Klieschen aus dem Kies! Hauptsache die
Köder sind im Wasser!



Aber im Ernst: Mich locken die großen Dorsche, die Chance auf einen guten Heilbutt und da ist noch
eine Rechnung mit den Seewölfen offen, locken wir die Meute mal mit frischem Fischfleisch und dem
neuen Seewolf Rig:

                                                                    
„Modell Brilli“

Wir werden sehen…












Wenn man so früh im Jahr in den hohen Norden fährt, sind Überraschungen immer möglich. Dies
sowohl im positiven wie auch im negativen Sinn. Was, wenn die Dorsch noch im Laichgeschäft sind?

Was, wenn die fängigen Stellen zu weit draußen zu finden sind?

Wir reden hier ja nicht von einer kleinen Badebucht, der Nordatlantik hat mir bereits in Irland so
manches Mal Respekt eingeflößt und Leichtsinn wird nicht meine Tugend sein.






Es ist immer ein Risiko, dass Wetter kann in der heutigen Zeit ein Fluch oder Segen sein!

 

Prepare steht ja bekanntlich für Vorbereitung und hier möchte ich einfach mal einige wichtige
Punkte aufzählen und Euch einen Blick hinter die Kulissen geben.

Alles was Ihr auf Eurer Reise machen werdet, steht und fällt mit der Kleidung!

Dies ist sowohl in kalten als auch in warmen Gefilden so. Ich möchte nicht frieren, ich möchte nicht schwitzen, ich möchte nicht nass wie eine Katze und vor Kälte schlotternd keinen Spaß am Angeln
haben, dass ist etwas für Laien.

                    





Also lasst Euch nicht auf Spielchen ein und sorgt für gute Outdoor – Kleidung!  

Wasser und winddicht sollte es sein und nicht nur EINE Jacke/Hose, es muss immer gleichwertiger
Ersatz da sein! Damit seit Ihr immer gewappnet und fühlt Euch sicher.

Ach ja, die Sicherheit: Floating-Anzüge sind eine gute Wahl an Bord eines Bootes auf dem Meer.

Nun werdet Ihr mit diesen Anzügen sicher nicht 15 Seemeilen nach Hause schwimmen. Aber die Zeit
vom Ruf „Mann über Bord“ bis zur Rettung – um die geht es! Es gibt gute Floating Anzüge nach DIN
Norm bereits ab ca. 100,- Euro, eine Investition nicht unbedingt für ein ganzes, bestimmt aber für

EIN Leben, mehr haben wir ja nicht…






Ok, wir sind also gut angezogen und fast ready for action“!

Was haben wir elementares vergessen?

Den verlängerten Arm, unsere 3. Hand! Rute und Rolle!


Hier ganz nach persönlichem Gusto. Jedoch mit einer Einschränkung:

Fische er nur mit
Qualität!

Kauft Euch keinen Mist!

Lieber einmal richtig als mehrfach Müll. Und: Wer möchte schon den Fisch des Lebens verlieren
weil die Schnur beim Discounter nur die Hälfte gekostet hat? Weil die Rute im Set für 29,99 mit Rolle
ja ganz schick aussah? Weil der Haken auf dem Grabbeltisch im 100´er Pack für ne´n Euro doch ein
gutes Geschäft war…?

Ich nicht. Also ab zum Händler des Vertrauens und Qualität gekauft! Es müssen keine 10 Ruten und
Rollen sein, wenn ihr z.B. 2 Multis und 2 Stationärrollen und vielleicht 4 Ruten dabei habt - absolut
perfekt, hier kann nichts mehr schief gehen.

Dies ist meine Meinung, auch wenn ich damit hier und da anecke:

Ich spreche hier von MEINEN Erfahrungen.










Und die Köder…!

Hier bin ich persönlich etwas verrückt, ich packe immer zu viel ein. Obwohl ich mich mittlerweile
für Flugreisen sehr diszipliniert habe und nur noch die Bringer im Gepäck habe.

Aber woher weiß ich das?

Umhören, zuhören, lesen und mitdenken! Es ist doch klar, wenn ich in einem Gebiet mit einem
bestimmten Zielfisch unterwegs bin, nehmen wir hier mal den Dorsch als Beispiel, dann werde
ich nicht mit einem Meerforellen-Blinker im Mittelwasser fischen, sondern vielmehr mit einem
selektiven Großköder am Grund oder in dessen Nähe unterwegs sein.

                     









Die natürliche Nahrung kann hier eine wichtige Rolle spielen, muss aber nicht.

Warum nicht?

Weil es manchmal einfach nur um Reize geht, auch wenn diese nicht immer der Natur entsprechen.

So kann ein Reizköder in der Farbe Firetiger an manchen Tagen unschlagbar sein, auch wenn
es dieses Farbmuster in der Farbkiste von Mutter Natur in den meisten Breitengraden nicht gibt.
 





Stellt euch mal ein – nein; stellt euch am besten 3 Tonnen Dorsche in einem sehr kleinen
Revier vor.

Auf einmal hüpft da so ein Firetiger durchs Revier. Die Neugier ist hier ein sehr wichtiger Faktor, in Verbindung mit Futterneid ist dies fast schon eine Fanggarantie.








Naturköder werden von der Industrie nicht gerade gefördert, sind aber sehr fängig in fast allen Gewässern. Was liegt näher als die natürliche Nahrung anzubieten? Allerdings ist dies für viele
Angler zu unbequem. Vielleicht muss erst ein passender Köder gefangen werden oder das Naturköder System mit Tintenfisch bestückt werden? Und daher wird lieber der 5 x so teure Luminous-Pilker
genommen, in meinen Augen in geringen Tiefen absolut nicht zwingend, jedoch bestimmt nicht
negativ zu bewerten.






Nicht falsch verstehen: Ich bin kein Feind der Industrie, im Gegenteil, nutze ich doch selbst ständig
neue Entwicklungen und teste hier und da mal einen neuen Köder. Manche Techniken und Systeme
sind jedoch einfach nicht durchdacht und daher in meinen Augen Blödsinn.

Andere kreative Köpfe haben sich Gedanken gemacht, haben neue Köder und Systeme entwickelt
und erleichtern uns vieles. Ich bin das nicht. Ich erhebe keinen Anspruch auf ausgeprägte Kreativität,
habe weder den Haken noch den Wurm erfunden. Aber ich kann
lernen, selbstständig denken und
meine eigenen Schlüsse ziehen.






Hier ein lustiges Beispiel:

Tiefseefischen
vor Hitra. Spaßige Burschen fischen hier mit Knicklichtern in 300 Metern Tiefe
um die Fische anzulocken. Was passiert mit einem Knicklicht in dieser Tiefe?

Na, erinnert ihr euch noch an die Kinderzeit?

Wo wir die Knicklichter noch in den Kühlschrank gelegt haben um diese am nächsten Tag noch
einmal zu benutzen? Rüchtüüüch! Diese gehen einfach „aus“ wenn es zu kalt wird.

Anders ist es sicherlich mit den blinkenden Flash-Lights. Ohne Frage ist Licht in der Tiefe ein Lockmittel aber in Island in 30 Meter Tiefe ein nicht wirklich nötiges Hilfsmittel um die Fische an
den Köder zu locken. Licht kann jedoch in vielen Situationen ein Hauptgewinn sein, daher sind
hier die Bastler und Zeitangler gefragt. Ich würde mich freuen Eure Erfahrungen mit Leuchtködern
im Flachwasser zu hören, habt Ihr hier Erfahrungen die interessant sind?


Dann her damit!

Kleinteile sind sehr wichtig, sie sind in meinen Augen sogar ein Herzstück der ganzen Montage.

Was bringt denn die Superrute, die geniale Rolle, die perfekte Schnur wenn ein schwaches
Glied wie z.B. ein Billigwirbel oder ein Pfennighaken am Ende der Montage den Fisch des
Lebens gefährdet?

Wenn diese schwachen Elemente die ganze Planung in Frage stellen? Finger weg von schlechten Komponenten, von Billigwirbeln und Haken, von Sprengringen minderer Qualität oder anderem
Müll in Dosen.






Dann möchte ich euch noch kurz einige Tipps aus der Wallerszene ans Herz legen.

Dieser Fisch ist ein guter Gradmesser für viele Details unserer Ausrüstung. So kann ich jedem
Meeresangler erprobte Wallerhaken und Wirbel sowie Vorfachmaterial wärmstens empfehlen.






Ich werde oft gefragt, ob die Ausrüstung aus Spanien vom Driftfischen auf Waller auch in
Norwegen oder Island ausreichen ist? Auf jeden Fall! Wenn es gute Qualität ist, immer.

Noch eines: Heute bekommen wir sehr gutes Gerät für wenig Geld. Wenig ist ja relativ, aber ich
denke wenn ich für mein Hobby, meine Leidenschaft, mal 100,- Euro für Rute und Rolle ausgeben
kann ist es OK.

Nicht jeder kann sich die High-Tech Ruten und Rollen leisten, aber einen guten Standart sollte
das Gerät haben, wenn man nicht vor Ort herbe Enttäuschungen erleben möchte.

Die Belastungen die beim Wallerfischen im flachen Wasser unmittelbar auf Rute, Rolle,
Schnur sowie Wirbel, Vorfach und Haken ausgeübt werden, sind enorm. Was hier hält, hat auch
mit 30 kg Dorschen in 30 Meter Tiefe keine Probleme!






Landungshilfen sind ein Muss! Nur, was soll es sein? Ich bevorzuge hier auch nur Qualität,
nehme z.B. einen großen Kescher wenn ich in Deutschland bin. Auf dem Weg nach Island hilft mir
ein Lip-Grip sehr! Einfach zu handhaben, keine Verletzungen, meiner hat sogar ein eingebaute
Waage - sehr praktisch! Ich empfehle die Backen des Lip-Grip mit Gummischlauch zu isolieren.
Normaler Schlauch reicht aus, im Elektro-Fachhandel gibt es auch Schrumpf-Schlauch für Idealisten.


Gaff, Harpune und Co
.
habe ich viele Jahre immer ignoriert. Heute sehe ich mit einem 3. Auge
diese Sache anders. Was, wenn wirklich ein 180 kg Heilbutt nach einem mehrstündigen Drill an der Oberfläche auftaucht? Wie dann den Fisch landen?

Eine Harpune muss her, ein Fisch der nicht ermüdet ist ein ernst zu nehmender Gegner.



Ich benutze ein Flying-Handgaff für große Fische wie den Heilbutt. Eine geniale Sache, die eigentlich
aus Amerika von den Profis der pazifischen Heilbutt Fischer zu uns Europäern förmlich rübergeschwappt ist. So war der Weg natürlich nicht weit bis nach Island!






Ich möchte hier nicht für einzelne Produkte werben oder in den künstlichen Himmel heben.

Dennoch habe ich natürlich meine persönlichen Vorlieben, ruft mich an und ich nenne diese gerne.

Viel Freude am Wasser und:

Rute hoch!

Frank Knossalla



Anmerkung der Redaktion: Er ist jetzt dort! Wünschen wir ihm viel Glück!


Herzlichen Dank an Andrees Angelreisen
für einige der abgebildeten Fotos!



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