SPINNFISCHTOUR EBRO
Waller auf Eisen mit Andy Weyel



Ich stelle mich kurz mal vor, bevor ich Euch von meinem Urlaub in einem der schönsten
Angelreviere der Welt erzähle.

Mein Zielfisch und meine Passion ist der Karpfen, für den ich mir schon seit 7 Jahren die

Tage und Nächte um die Ohren schlage. Natürlich bleiben dann die Messen in ganz
Deutschland nicht von mir verschont…Gott sei Dank!


Es war der 31. März 2007 als mein Traum wahr werden sollte. Viele bekannte Gesichter,
Stefan & Patrick Seuß, Max Nollert u.v.m. kümmerten sich um einen reibungslosen Ablauf
der Karpfenmesse in der Stadthalle Speyer. Meine Kollegen und ich nahmen uns vor den
Bericht von Andy Weyel, „Waller auf Eisen“  mal etwas näher zu betrachten. Der Vorführraum
wurde dunkel und die Show nahm ihren Lauf, schon nach wenigen Minuten hatte Andy es
geschafft die komplette Halle in Staunen zu versetzen. Ich denke jeder der diesen Bericht
liest und auch in dieser Halle anwesend war, weiß wovon ich rede. Er erklärte alles bis ins
kleinste Detail, vom Zielfisch über die Standorte bis hin zur Köderwahl und dessen Präsentation.
Mich hielt nichts mehr auf meinem Platz, ich musste den Kontakt zu Andy auf Teufel komm
raus herstellen.


All meinen Mut packte ich auf einen Haufen und sprach ihn während einer Videosequenz an.
Sofort waren wir im Gespräch, tausend Fragen schossen binnen Sekunden aus meinem Mund,
die Andy fast erschlugen. Doch er blieb ganz cool und fing erst mal an zu lachen bevor er mich
fragte ob ich die alle auswendig gelernt hätte. Naja, was macht man nicht alles vor Aufregung.
Da Andy immer noch den Bericht im Hintergrund laufen hatte, tauschten wir schnell die
Telefonnummern und verschoben das Gespräch auf einen anderen Zeitpunkt. Noch keine
Woche später sollte es dann soweit sein, er bat mich allerdings meinen sprudelnden Wasserfall
(Mundwerk) etwas langsamer fließen zu lassen.

Wir telefonierten noch ein paar Mal in dieser Woche, bevor Andy mir meinen Traum möglich
machte. Er fragte ob ich mit Ihm und einigen Freunden für 7 Tage an den Ebro fahren würde.

BÄHM…. Da war es wieder, das Gefühl der tausend Fragen, die aber alle im Bauch stecken
blieben. Ich war einfach nur sprachlos, Andy Weyel, Mitarbeiter der Firma Shimano, fragte ein
kleines Licht am Karpfenhimmel für eine Tour zu einem der schönsten Angelreviere der Welt.
Zwei Telefonate später war die Antwort klar…

 

EI SICHER

 

Andy hatte alles durchorganisiert, ich musste lediglich meine Adresse, Bankverbindung und
eine Personalausweiskopie zu Andrees Angelreisen senden, um 2 Wochen später ein
Päckchen mit meinen Tickets und Reiseunterlagen aus meinem Briefkasten holen zu können.


Es war der 30. Juni 2007, 05:00 Uhr morgens, als der Weckruf mich aus den Träumen riss.

Doch alles nicht so schlimm, den eine Stunde später befanden mein Vater und ich uns im
Auto Richtung Frankfurt/Hahn Flugplatz. Völlig orientierungslos irrten wir auf dem Flugplatz
umher, auf der Suche nach dem Check-In Schalter der Ryanair, die mich endlich nach Reus
bringen sollte.

 

STOP

 

Sollte ich mich hier nicht mit einem Freund von Andy treffen? Hm, jetzt war guter Rat teuer,
vor einer Woche hat mein Handy (Sch… Technik) den Geist aufgegeben und somit meine
gesamten Nummern gelöscht. Glücklicherweise war ich durch mein elegantes Rutenfutteral
( KG-Rohr aus dem Baumarkt ) sehr gut zu erkennen. Es hat nicht lange gedauert da hat
mich auch Lohmään, der Freund von Andy, mit einem freundlichen „Moin Moin“ begrüßt.

Sofort kamen wir ins Gespräch und meine tausend Fragen wurden auch ihm an den Kopf
geschmissen. Ein Pärchen kam ebenfalls mit Tackle und ungewöhnlichem Rutenfutteral die
Eingangstür des Flugplatzes herein. Mit einem kräftigen „Moin“ lernten wir dann auch Kerstin
und Nico kennen, die ebenfalls mit uns nach Reus flogen, auf der Suche nach den „Großen“.


Endlich war es dann soweit, das Gepäck wurde aufgegeben und wir standen in der Abflughalle
bereit zum Ritt über die Wolken. Plötzlich, eine Urschrei ertönte durch die Halle…


„EH, SEIT IHR WELSANGLER???

Ein ungefähr 2 m großer, blonder junger Mann stand vollkommen außer Atem direkt vor Lohmänn.
Ich komme gerade aus Berlin und bin voll im Ar… ( Ihr wisst was ich sagen wollte), ich suche die
Gruppe von Andy Weyel, die sollen mich mitnehmen !!!


Glaubt mir Leute, da fingen wir an zu lachen und erst auf dem Rückflug von Reus hat das wieder
aufgehört. Der Junge aus Berlin war David Wenzel, „Tüddel“ genannt. Wir waren somit komplett
und die Maschine konnte starten. Tüddel schlief schon, da war die Maschine noch nicht auf dem
Rollfeld. Nico und Kerstin schliefen auch kurz nach dem Start und Lohmään und ich unterhielten
uns über die Woche, die uns erwartet und über verstrichene Zeiten aus unserem Leben.



Nach 2 Stunden Flugzeit kamen wir in Reus an, 35 Grad und purer Sonnenschein begrüßten uns
außerhalb des Flugzeuges. Man erwartete uns bereits in der Ankunftshalle mit einem großen
Schild mit der Aufschrift „Andrees Angelreisen“.
Das Tackle wurde verladen und wir fuhren auf dem
direkten Wege ins Camp.


Andy begrüßte uns in einer unserer Blockhütten mit bereits eingeschalteter Klimaanlage
(Danke Andy). Kleidung ins Eck gefeuert und die Ruten sorgfältig mit Rolle und geschärften Haken
bestückt ging es dann direkt zu unseren Guides (Volker und Stefan) und unserem Spitzenkoch
(Gunter). Wir bekamen weitere Infos über verschiedene Bestimmungen, die zur Zeit am Ebro aktuell
sind plus ein kühles Bier aus der eigenen Dosenbrauerei
;-).


Dann kam die erlösende Nachricht von Andy, wir fuhren nun an unseren Angelplatz für die
bevorstehenden 7 Tage. Vor Ort lagen bereits 3 Aluboote mit jeweils 25 PS und einem eigenen
Echolot für jedes Boot. Tüddel und ich belagerten direkt das Boot in erster Reihe um schnellst
möglich auf´s Wasser zu kommen.



Wir fuhren einige Krautfelder an, die sehr Erfolg versprechend aussahen. Jedoch wurden unsere Träume nicht
erhört. Mit den Krautfeldern hinter uns, ließen wir uns am Rande des Stausees mit der Strömung entlang driften.


Mit einem präzisen Wurf an eine unterspülte Steinpackung bewegte ich den Löffelblinker mit ruckartigen
Bewegungen wieder Richtung Boot. Bereits nach dem 3. Ruck kam der kraftvolle Biss eines 1,10 m großen
Wallers, den wir nach kurzer Zeit sicher landen konnten. Mein erster Waller wurde mir schon am ersten Tag
geschenkt, welch ein Auftakt.


Das kann ja nur besser werden!!! Leider blieben weitere Bisse an diesem Tag aus.
So fuhren wir völlig erschöpft
wieder Richtung Ufer um mit den anderen zum Abendessen Richtung Camp zu fahren. Nach dem Essen ging’s
direkt ins Bett, um am nächsten Morgen gestärkt mit Rühreiern und mehreren Tassen Kaffee wieder den Großen nachzustellen.


 

Diesmal ging es mit Lohmään aufs Boot, mit Ihm hatte ich einen erfahrenen Welsangler an Bord der
schon etliche Drills mit den Giganten hinter sich hatte. Er fuhr zielstrebig mit dem Echolot mehrere Krautfelder und Steinpackungen an, um die ersehnte Sichel auf dem Monitor des Echos aufzuspüren.

Es dauerte auch nicht lange als der Fishfinder die erste Sichel preisgab. Lohmään senkte den
Gummifisch direkt neben dem Boot in ungefähr 3 Meter tiefe ab und lockte den Waller mit einem
Wallerholz in Richtung des Gummifisches. Die Stella an der 2,70 m langen Beastmaster hatte keine
Chance und musste dem Giganten ihre montierte 35´iger Spiderwire in die Tiefe folgen lassen.
Lohmään setzte all seine Kraft in den Anschlag um den Einzelhaken im Rücken des Gummifisches
in die Kiefer des Wallers zu katapultieren. Glaubt mir Leute, man sollte wirklich mit allem was man
hat anschlagen. Die Waller besitzen richtig harte Kiefer auf denen sich ihre Zähne befinden. Man
kann es sich so vorstellen, als ob man versucht einen Einzelhaken in eine Kniescheibe zu drücken.


Auf jeden Fall hatte Lohmään den Waller am Haken und nach 10 Minuten zog ich den 1,30 m langen Burschen ins Boot. Sofort fuhren wir Richtung Ufer um den anderen davon zu erzählen. Vom Ufer
aus konnten wir dann den Drill von Nico und Kerstin beobachten, Andy und Lohmään sprangen direkt
ins Boot um den beiden Hilfestellung zu leisten. Auch dieser Fisch mit einer Länge von 1,50 m konnte
sicher gelandet werden. Glücklich fuhren wir an diesem Abend wieder zurück ins Camp um uns mit
ein paar kühlen Blonden auf unserer hauseigenen Terrasse diesen Tag nochmals durch den Kopf
gehen zu lassen.



Am nächsten Morgen ging es, wieder gestärkt mit Rühreiern und viel Kaffee, Richtung Boote. Tüddel und ich
wollten unser Glück in dem Kreisel unterhalb der Staumauer versuchen. Da treffen Prallwasser und Strömung
direkt aufeinander. Also der Ideale Platz um die Waller an unsere Haken zu bekommen. Wir hatten einige Fehlbisse
auf unsere Spinner und Gummifische zu vermelden, also montierten wir die von Andy mitgebrachten Twinfins mit
der Hoffnung auf Besserung. Es stellte sich heraus, dass diese Entscheidung die richtige war.

Tüddel konnte auf Anhieb zwei Waller zwischen 1,30 m und 1,50 m zum Landgang überlisten. Auch Nico und
Kerstin hatten an diesem Tag noch mal richtig zuschlagen können, mit zwei schönen Wallern, Nico 1,80 m und
Kerstin 1,70 m verbesserten sie somit Ihre Wochenbilanz.



Der nächste Tag sollte auch der letzte Abend sein an diesem Traumgewässer bevor es wieder
Richtung Heimat ginge. Doch diesen Tag werde ich nie vergessen, Andy konnte schon nach zwei
Stunden am Wasser einen Prachtburschen von 2,08 m zum Landgang bewegen. Wow was für
ein Tier! Lohmään legte mit einem 1,89 m langen Waller nach und Tüddel folgte ihm mit 1,86 m.


Lohmään und ich stiegen nochmals in unser Boot ohne zu ahnen was uns in den nächsten
2 Stunden widerfahren sollte. Auf der Suche nach einem geeigneten Angelplatz machten wir uns
auf den Weg in Richtung der Ruinen die uns Andy vorgeschlagen hat. Immer wieder senkten wir
unsere Gummifische direkt neben dem Boot ab und zupften sie wieder langsam Richtung
Wasseroberfläche.

Plötzlich rief Lohmään nur noch, absenken, absenken, schneller da ist ein großer unter dem Boot.
Mein Gummifisch war gerade in der Hälfte der Tiefe angekommen als mich ein knallharter Schlag
in der Rute fast zum schwimmen überredete. Mit all meiner Kraft konterte ich die Flucht des
Fisches mit einem beherzten Anschlag um sicher zu gehen dass der Drilling richtig griff. Es folgte
ein 15 Minuten langer Drill der mit allen Wassern gewaschen war. Immer wieder folgte eine Flucht
nach der anderen, die Stella und meine Beastmaster leisteten perfekte Arbeit. Hier zeigte sich
wieder einmal, dass man mit einer weichen Rute beim Spinnen auf Waller immer auf der
sicheren Seite ist.

Die Rute sollte daher immer weich sein um die harten Fluchten und Schläge unseres Gegenübers
sanft zu bremsen, ohne einen Ausschlitzer zu riskieren. Bei härteren Ruten besteht immer die
Gefahr des Ausschlitzens während des Drills. Nun zurück zum Drill, der langsam in die Endphase
kam. Endlich, ich konnte mein Kevlar Vorfach sehen und danach kam……… Was bitte ist dass??

   


Ich traute meinen Augen nicht, ein 2,25m langer Waller brachte die Oberfläche zum schäumen. Jetzt bloß
keinen Fehler machen. Ich führte den Riesen so nah es ging Richtung Flanke des Bootes.

Lohmään setzte den Wallergriff perfekt und zog den Riesen ins Boot. Ich hatte es geschafft, der Fisch meines
Lebens lag sicher und völlig ausgepowert im Boot und bereit zur Fotosession.


Abends ließen wir uns dann zusammen mit unseren Guides die Woche bei einem gemeinsamen Essen
nochmals durch die Köpfen gehen. Das Resumé stand fest, dass war die schönste Woche in meinem Leben.

Darum ein Dankeschön an Andy Weyel, Beate, Adreas Lohmann, David Wenzel und Nico & Kerstin Bernhard in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.

 

Euer Frank Hüther                     




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